Buch 
Physikalische Geographie : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin in den Jahren 1834 und 1835 / von Friedrich Hoffmann
Entstehung
Seite
611
JPEG-Download
 

1»/"^ -A,? 7

in*r »».

Bewegung des Wassers in Flüssen. 611

dort soll man doch noch sehr deutlich in ihm die Brok-ken der vulkanischen Gebirgsarten, welche aus der Ei-fel herabkommen, unterscheiden. Bei Arnheim, Nyinwc-gen, Gorkum u. s. w. ist es endlich nur noch Sand, undunterhalb erdiger Schlamm, der die Mündung verstopft,und den Inseln nach Rotterdam und Dortrecht fortwäh-rend neu eingedeichtes Land zuführt, oder welchen mandurch künstliche Vorrichtungen immer weiter ins Meerzu treiben bemüht ist.

Nächst der Gestalt der Flul'sbetten kommt noch dieBewegung des Wassers darin in Betracht. Wir könnenindefs diesen schwierigen Gegenstand, der eigentlich insGebiet der Hydrodynamik gehört, hier nicht in seinerganzen Ausführlichkeit behandeln, sondern müssen unsbegnügen, nur einige wichtigere Punkte herauszuheben.

Wenn Wasser oder überhaupt eine Flüssigkeit ineinem offenen Kanäle eine horizontale Oberfläche be-sitzt, so findet keine Bewegung derselben statt, weil danneben die flüssigen Theilchen nach allen Seiten gleich starkdrücken. Soll eine Bewegung, ein Fliefsen stattfinden,so mufs Gefälle da seyn, d. h. die Oberfläche eine ge-neigte Lage gegen den Horizont haben, der Boden desKanals oder Flufsbettes mag auch sonst horizontal lie-gen, ab- oder aufwärts geneigt seyn. Man könnte dem-nach im ersten Augenblick glauben, dafs sich in Flüssendas Wasser, gemäfs dem Gesetze des Falles, auf einerschiefen Ebene bewegen werde; allein dann miifste seineBewegung eine beschleunigte seyn, d. h. seine Geschwin-digkeit nach der Mündung hin zunehmen. Allein in derWirklichkeit verhält es sich ganz anders. Wenn derFlufs auf seinen Beharrungszustand gekommen ist, d. 1».wenn seine Höhe mit derZeit ungeändert bleibt, so fliefsenin gleichen Zeiten durch alle Querschnitte desselben auchgleiche Wassermengen; und wenn diese Querschnittesämmtlich eine gleiche Gröfse haben, so ist auch diemittlere Geschwindigkeit längs dem ganzen Flusse eine

39*