Frankreich.
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Provinzen sechs Konsistvrial-Synagogen zu Straßburg, Colmar, Metz,Nancy, Bordeaux und Marseille. Ihre Rabbiner sind gleichfalls Staats-diener.
8. Kultur des französischen Volks.
Die verschiedenen Zweige der physischen Kultur sind bereits indem vorhergehenden Abschnitt, der von der ersten Grundmacht, dem Lande,handelt, ausführlich besprochen worden; wir können daher hier sofort —Die technische Kultur zum Gegenstand unserer nächsten Betrach-^"ng machen, bei dem wir die Industrie und den Handelsverkehr zu un-»erscheiden haben. Beide Hauptzweige der technischen Kultur verdankenFrankreich ihre erste Entwicklung den Aufmunterungen, welche Karl^ Große ihnen zu Theil werden ließ. Er unterhielt, um den fran-zösischen Handel zu schützen, freündschastliche Verbindungen mit dem Schal-don Persien, rief Jtaliäner in seine Staaten, die ihren Kunstfleiß dahinrrpflanzten, und hielt die skandinavischen Seeraüber im Zaume. Aber>eser Schimmer der Hoffnung verschwand bei seinem Tode. Die Kreüz-lwelche in anderer Beziehung für Frankreich so verderblich waren,ber/" - ^ Industrie glückliche Resultate. Die Abwesenheit der Grund-ön milderte das Joch der Lehenspfiicht; man eröffnete dem Handelue Wege; man lernte Erzeugnisse kennen, von deren Vorhandenseinman früher nichts wußte, und führte Maschinen und nützliche Fabrika-tionsarten ein. Um diese Zeit entstanden die Leinwand-Manufakturen inLaval, Litte und Cambray, die Tuchfabriken zu Amiens, Reims undArras; und Frankreich bereicherte sich mit der Kunst, den Wein zu destil-liren, Parfüms zu bereiten, u. d. m. Dennoch blieb das Land für diemeisten seiner Bedürfe bis auf die Regierung Heinrichs IV. dem Aus-lande tributpflichtig. Dieser große König, von seinem weitsichtigen Mi-nister Sully. unterstützt, bereicherte den Süden von Frankreich mit derSeidenweberei, und ermunterte den Ackerbau mit allen Mitteln, dieä" Gebote standen. Ludwig XIV. und sein Minister Colbert zogenme berühmtesten Gelehrten und die geschicktesten Manufakturisten nachFrankreich, und der auswärtige Handel regte sich wieder in den franzö-sischen Häfen, der durch Bedrückungen aller Art daraus verbannt gewe-sen war; es wurden Handelsverbindungen mit Ländern angeknüpft, dieMan kaum dem Namen nach gekannt hatte, und errichtete Gesellschaften,^ ^rcn Bemühungen die französische Flagge bis zu den entferntestenNationen getragen wurde; Prämien und Aufmunterungen wurden demKunstfleiß und Handel zu Theil; die Hafenfreiheiten wurden erweitertund geordnet, und gegen Ende des sicbenzehnten Jahrhunderts nahmFrankreich an dem Welthandel Theil und wetteiferte mit den blühendstenNationen der damaligen Zeit. Aber die Zurücknahme des Edictes vv»tantes veränderte diesen Zustand der Wohlfahrt; die besten ArbeiterWanderten aus, und während eines volley Jahrhunderts blieb Frankreichs-sndustrie, von nachtheiliqen Reglements eingeengt, auf derselben Stufelwhen, während die der Nachbarn mit starken Schritten der Vollkommen-heit entgegenging. Aber seitdem ste von den Fesseln befreit worden, in>e der Unverstand sie geschlagen, hat sie sich mit jener auf gleichen Fuß
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