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5 (1843) Zweiter Theil, enthaltend Frankreich, das britische Reich und das Russische Reich. Schweden und Norwegen, Dänemark, Belgien, die Niederlande, Portugal, Spanien, die Schweiz, Italien, Neapel und Sicilien, Sardinien, Kirchenstaat, Toscana, Parma, Modena, Lucca, San Marino und Griechenland / von Dr. Heinrich Berghaus
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85
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Frankreich.

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Aber nicht bloß in der Spinnerei und Weberei haben die Franzosenaußerordentliche Fortschritte gemacht, auch die Färberei ist aüßerst kulti-virt worden. In Lyon hat man in der Seidenfärberei den Indigo durchBerlinerblau ersetzt, das eine angenehmere, glänzendere Farbe giebt; inRunen hat man bei der Baumwollen-Färberei die Kunst erlernt, dieschonen rothen Farben gleichförmiger zu machen, und ihrer verschiedenenSchatkirungcn, bis auf die schwächsten, besser Herr zu werden. In Müht-Hausen^ im Elsaß, ist die Appretur vervollkommnet worden, und man^eiß dort ein Türkischroth darzustellen, daß alle Stoffe, die damit gefärbtaus den deutschen Märkten den Vorzug vor allen ähnlichen gewon-ssen haben. Sonst hielt man es für unmöglich, und die Hoffnung füre>n Hirngespinst, auf der Leinwand die Farben und Verzierungen derprächtigen Kaschmirshawls nachzuahmen: Mnhlhausen hat diese Hoffnung

verwirklicht.

Die mechanischen Mittel der Buchdruckerkunst, die in allen ihrenZweigen vereinfacht worden sind, die Stereotypie und das Abklatschen,tragen wesentlich dazu bei, die klassischen Werke der französischen Lite-ratur in Aller Hände zu bringen, weil der Druck, durch größere Schncl-'3s", v'ohlfeiler geworden ist. Die Kupferstecherkunst ist nicht stehen3 lieben, sondern hat, trotz der Lithographie, welche seit dem allgemei-vrn Frieden in Frankreich Eingang gefunden, und eine sehr bedeutendeAusdehnung gewonnen hat, große Fortschritte gemacht. Die Industriehat sich der Lithographie bemächtigt, dieses Zweiges der artistischen Kul-tur, um ihre Produktionen zu verschonen, sie druckt Lithographien abauf Leinwand, Kattun, Wollen- und Scidenzeüge, auf Tvpferwaaren,Faience und Porcellan. Die Papierfabrikation hat gleichen Schritt ge-halten .mit jenen artistischen Zweigen des Kunstfleißes. Frankreich schreibtsich das Verdienst zu, die Maschinen zur Verfertigung des endlosen Pa-piers erfunden zu haben; und die Kunst, das Papier als Masse in derBütte zu leimen, ist im Departement der Ardoche entstanden. Die Ta-peten-Fabrikation ist nicht zurückgeblieben, im Gegentheil: französischeTapeten sind, sowohl wegen der Schönheit der Farben, als der geschmack-vollen Wahl der Dessins, ein gesuchter Artikel in der ganzen Welt.

Die Industrie in der Fabrikation der Metallwaaren hat. seit demFrieden einen außerordentlichen Aufschwung erfahren. England hat manflch in diesem Zweige der technischen Kultur zum Vorbild gewählt. Wal-zen zum Strecken des Eisens und Hochöfen zum Laütern desselben sind inden Departements Nonne, Mvselle und Loire angelegt worden. DieStahlfabrikation hat sich von der niedrigen Stufe, auf der sie so langegestanden, emporgearbeitet. Man laüterr, reckt und zieht mit großerVollkommenheit Eisen, Kupfer, Zink und Messing, und hämmert biszum Platin hinauf. Seit dem Frieden giebt es Blechhämmer für Eisen»Und Weißblech in den Departements Nunnc, Eure, Eher, Doubs, Cäte-vOr rc., und unterwirft sogar Gußstahl dem Reckhammer. Nach einerAltern, für das Jahr 1826 gültigen Nachweisung über die Mineral-Erzeügnisse Frankreichs, wurden damals folgende Quantitäten, dir imjUetrischen Centner ( lüv Kilogrammes) angegeben sind, gewonnen:Roheisen 1,739,269; Gußeisen 378,186; Stabeisen 1,454,68»; Not-stahl