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5 (1843) Zweiter Theil, enthaltend Frankreich, das britische Reich und das Russische Reich. Schweden und Norwegen, Dänemark, Belgien, die Niederlande, Portugal, Spanien, die Schweiz, Italien, Neapel und Sicilien, Sardinien, Kirchenstaat, Toscana, Parma, Modena, Lucca, San Marino und Griechenland / von Dr. Heinrich Berghaus
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119
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Frankreich.'

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einseitigen Resultate führen, beide Zweige der geistigen Kultur gehen ausdem Volkskaraktcr hervor und schreiten, ihrem Wesen nach, nicht überdie Gränzen Frankreichs hinaus, was auch der Lage der Sache nach,vvm Anbau der Jurisprudenz und der Staatswisscnschastcn gilt, obwohldie Bearbeitung der letzter» ihren Weg auch in's Ausland gefunden hat.In keinem Lande ist so viel für eine reiche, obwohl sehr vorsichtig zubenutzende Materialiensammlung der neüern inheimischcn Geschichte ge-leistet worden, als in Frankreich; während sie auch für die Eröffnungeines reichen Schatzes von Schrift- und andern Denkmälern der älternGeschichte ein reges Leben zeigt. Die geographischen Wissenschaften habenden Franzosen sehr viel zu verdanken; ausgezeichnete Seereisende habenin den weiten Raümen des Oceans vorher unbekannte Länder aufgefun-den, und viele Landreiscnde uns mit der geographischen Lage ferner Ge-genden des Orients, wie des Occidents der Neüen Welt, mit den Sittenund Gebraüchen ihrer Bewohner, den Staatseinrichtungen dieser Volkerbekannt gemacht. Aber auch in diesen wichtigen Leistungen zeigt sich hinund wieder, namentlich in der neüestcn Zeit, die Leichtigkeit des fran-zösischen Volkskaraktcrs, indem die spekulative Schriststellerei aus denubenteücrlichcn Zügen kenntnißloscr Reisenden persönlichen Nutzen zuerwerben sich bestrebt, wodurch ein tolles Gemisch von Wahrheit undDichtung die geographische Literatur zu verunstalten angefangen hat, demselbst die in Paris bestehende geographische Gesellschaft nicht entgegen zuarbeiten vermag. Neben dieser giebt es ebendaselbst eine statistischeGesellschaft.

Frankreich hat in der zwölfjährigen Periode von 1822 bis 1833 imDurchschnitt jährlich 8375 Artikel auf den Literatur-Markt gebracht; diegrößte Zahl, nämlich 9808 im Jahre 1827, die kleinste 6893 im Jahre1822. Unter diesen Zahlen stecken aber, neben den Büchern, nicht bloßdie Volkskalendcr uud alle Broschüren, Flugschriften, literarische Ankün-digungen, selbst wenn sie nur einen Viertel, oder gar nur einen AchtelBogen füllen, sondern auch sämmtliche Kupferstiche, Lithographien, Land-karten und Musikalien. Unter den 8868 Artikeln, welche der Buch-,Kunst- und Musikhandel im Jahre 1833 auf den Markt brachten, be-fanden sich eigentliche Werke nur 2347, wovon 235 der Theologie ge-widmet waren und aus Andachtsbüchern bestanden; 213 hatten dieGeschichte zum Gegenstand, mit Einschluß der sehr ergiebigen Memviren-Literatur; eben so viele Werke waren der Mathematik, den Naturwissen-schaften und der Medicin gewidmet; 455 der Dichtkunst, außer 355 Ro-manen; 182 der Philosophie; 178 den schönen Wissenschaften und denNeisebcschreibungcn; 604 Schriften waren in fremden Sprachen und Pro-,hiucialdialckten gedruckt; die Broschüren, Flugschriften rc. zählten 4346Nummern, und die Landkarten, die artistischen Produkte und die Musi-kalien 1367 Nummern.

Paris übt in allen Zweigen der geistigen Kultur eine schwere Despotie^ber ganz Frankreich aus; es ist der Mittelpunkt der Gelehrsamkeit undber Schriftstellerei, und Nichts hat in den Augen des großen HaufensGeltung, wenn es nicht von Paris kommt. Diese Centralisation der.geistigen Kräfte hat, außer mehreren andern Übelständen und wirklichen