120
Eüropäisches Staatensystem.
Nachtheilen, die Folge, daß der Buchhandel im Grossen, das Verlags-gewerbe, ausschließlich in der Hauptstadt betrieben wird. Ein Buch,das die Firma einer Provincial-Buchhandlung auf dem Titelblatt trägt,würde kein Mensch kaufen, und sein Absatz ist selbst auch dann erschwert,wenn mit der Verlags-Firma aus der Provinz die Firma einer PariserBuchhandlung verbunden ist, die immer über dem Namen des wirklichenVerlegers stehen muß. Darum sind die Buchhandlungen in der Provinzausschließlich auf das Sortiments-Geschäft beschränkt, ja in den aller-meisten Fallen sind sie bloße Krämer. Nach einer ältern Angabe gab es in
Paris
den Departements Frankreich
Buchhandlungen. . . -
. öl 6
1025
1641
Buchdruckereien....
. 94
613
707
Kupferstichhandlungen. .
. 140
(1550 Pressen)
Musikalienhandlungen. .
. 59
Lithographische Anstalten.
. 18
26
44
Zu Paris gab es außerdem 38 Schriftgießereien, 84 Antiquare und 201Buchbindereien.
Als ein sehr wirksamer Hebel für die Verbreitung der geistigenKultur sind ohne Zweifel die Zeitungen und die Zeitschriften anzusehen;aber nur dann, wenn sie einsichtsvoll geleitet, und in ihnen, was ins-besondere von den politischen Blättern gilt, die Interessen das Vater-landes unbefangen und parteilos besprochen werden. Man hat die poli-tische freie Presse eine politische Macht genannt, und sie verdient dieseBezeichnung ohne Zweifel mit Recht; ja die politische Presse übt einewohlthätige Macht im Staate aus, wenn sie auf bestehende oder auf-tauchende Übelstände, oder gar Mißbraüche, die öffentliche Aufmerksam-keit, also auch die der Gesetzgebung und der Staatsregicrung lenkt; alleinsie ist eine schädliche Macht, sobald sie Parteizwccken dient, und die poli-tischen Leidenschaften anfacht und aufregt; dann ist sie ein vcrachtungs-würdiger Mißbrauch der Presse, ein Krebs, der am Staatsleben nagt,eine Macht im Staate, die kein Staat dulden darf, wenn er seinenZwecken genügen, seine hohe Bestimmung erfüllen will. An Frankreichnagt mit furchtbarem Erfolg ein solcher Krebs, der aus dem Verfall derSitten bei den Machthabern und Stimmsührern, aus der geringen poli-tischen Bildung des Volks entsprossen ist. In Frankreich erschienen umdie Mitte des Jahres 1838 im Ganzen 730 Zeitungen und Journale,darunter in Paris allein 472. Von den letzter,, waren 21 große und 5kleine politische Zeitungen, welche täglich ausgegeben wurden, 27 poli-tische Blätter erschienen nicht täglich. 24 Zeitschriften beschäftigten sichauf dem Felde der Religion und Moral, darunter 10 protestantische;88 waren der Gesetzgebung und Jurisprudenz gewidmet; 3 den Staats-wissenschaften; 12 der Geschichte, Geographie und Statistik; 44 der Bel-letristik; 9 den schonen Künsten, der Malerei und Musik; 2 dem Theater;15 der Mathematik und den Naturwissenschaften; 28 der Medicin; 12den Kriegs- und den nautischen Wissenschaften; 22 dem Ackerbau undden lanvwirthschaftlichen Gewerben überhaupt; 23 den technischen Gewer-ben und dem Handel; 17 der Pädagogik und dem Unterrichtswesen; 16waren den Frauen und der Jugend gewidmet; 11 den Moden; 4 male-