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5 (1843) Zweiter Theil, enthaltend Frankreich, das britische Reich und das Russische Reich. Schweden und Norwegen, Dänemark, Belgien, die Niederlande, Portugal, Spanien, die Schweiz, Italien, Neapel und Sicilien, Sardinien, Kirchenstaat, Toscana, Parma, Modena, Lucca, San Marino und Griechenland / von Dr. Heinrich Berghaus
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Frankreich.

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Cvurtray, 1392, davon trugen, vermöge dessen der älteste Sohn desGrafen vvn Flandern in seinen Besitzungen wiederhergestellt wurde, diedieser Familie von Ludwig dem Heiligen entrissen worden waren; endlichdie, mit Graüeln und Grausamkeiten aller Art verbundene Auflösungdes Ordens der Tempelherren. Durch die Vermählung Philipps le Belmit. Johannen vvn Navarra kam die Champagne und die Arie an dieKrone; eben so wurde mit ihr vereinigt die Vicegrafschaft Soule, 1306,und die Grafschaft Lyvn, die Petern von Savoien abgenommen wurde,weil er den Eid der Treüe nicht schworen wollte. Nach Philipps desSchonen Tod, 1314, herrschten nach einander seine drei Sohne mit kur-zer Regierungszcit; zuerst Ludwig X., mit dem Zunamen le Hutin, bis131«; Philipp V., der Lange, bis 1322, und Karl IV-, der Schone,der im Jahre 1328 ohne männliche Leibeserben starb, und mit dem dieerste regierende Linie des Kapetiugischeu Hauses erlosch.

Der nächste männliche Agnar, Philipp von Valois, dessen Vater,Karl vvn Valois, ein Bruder Philipps le Bel gewesen, ward jetzt vonden Reichsständeu zum König erklärt und gekrönt, und ist so der Stifterder zweiten Linie der Capetinger geworden, die nach ihm die Linie vvnValois heißt. Eduard III., König von England, ein Neffe Karls desschönen, von mütterlicher Seite, machte Philipp VI. von Valois diebchchsolgc, unter verschiedenen Vorwänven, streitig, und hieraus entsprangklN langwieriger Krieg, der vier Menschcnalter hindurch die Geißel Frank-reichs gewesen ist. Durch die Thronbesteigung Philipps kam das Her-zogthum Valois an die Krone zurück, das Ludwig X. seinem Vater gege-ben hatte; Philipp kaufte von dem Könige von Mallorka die HerrschaftMontpellier, und er erhielt von dem kinderlosen Humbert II. im Jahre1349 das Dauphin« unter der Bedingung geschenkt, daß der älteste Prinzvon Frankreich den Titel Dauphin führen sollte. Nach Philipps VI.Tod, der im Jahre 1359 erfolgte, bestieg sein Sohn Johann der Guteden Thron, der sechs Jahre später gegen die Engländer zu Felde ziehenmußte, welche in der Auvcrgne und im Poitou arge Verwüstungen an-richteten. In der Schlacht von Maupertuis, unfern Poitiers, am19. September 1356 zum Gefangenen gemacht, konnte Johann seineFreiheit nur durch den Vertrag von Bretizny, 13S0, erkaufen, in wel-chem der König von England als Besitzer von Guienne und Limousinanerkannt, und demselben überdem Poitou, Aunis, Saintvnge und Angou-wois abgetreten wurde. Während der Gefangenschaft des Königs hatte^er Dauphin den heftigsten, doch am Ende siegreichen Kampf gegen dieDemagogischen Umtriebe der Stände zu bestehen, die von Robert-le-Cvg,dem Bischof von Laon, und von Stephan Marcell, dem Vorsteher derPariser Kaufmannschaft, geleitet wurden, und nichts weniger als Umstal-^ag der Verfassung und Herabsetzung der Königlichen Gemalt bezweckten.Von Paris aus verbreitete sich, wie in unsern Tagen, so auch da-mals, per Schwindel der Revolution über die Provinzen, in denender Bauernaufstand, von der Geschichte laegueri« genannt, ausbra ),wahrend dessen der Bauer die fürchterlichste Rache an dem übermüthigenAdel nahm.

Der Dauphin, der nach dem Tode seines Vaters, 8. April 1364,