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5 (1843) Zweiter Theil, enthaltend Frankreich, das britische Reich und das Russische Reich. Schweden und Norwegen, Dänemark, Belgien, die Niederlande, Portugal, Spanien, die Schweiz, Italien, Neapel und Sicilien, Sardinien, Kirchenstaat, Toscana, Parma, Modena, Lucca, San Marino und Griechenland / von Dr. Heinrich Berghaus
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Frankreich.

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reich erhob, der Karls Wittwe gchcirathet hatte. Wer Jahre spätererbte Ludwig von Karl, dem letzten Grafen von Anjvu, vermöge Testa-ments, die Provence und die Ansprüche des Hauses Anjvu aus die Kronevon Neapel und Sieilicn. Ludwig Xl. errichtete das Postwescn, munterteHandel und Gewerbe auf, und bemühte sich, Gleichförmigkeit im Maaßund Gewicht einzuführen. 1481 eroberte er das Boulvnais. Zwei Jahrespäter starb er, und hinterließ seinen Nachfolger in einem Alter vondreizehn Jahren, während dessen Minderjährigkeit Anna von Frankreich,Ludwigs älteste Schwester, die Regentschaft führte. Karl V!Il. erwarb,indem er sich im Jahre 1491 mit Anna von Bretagne vermählte, dasHcrzoghum dieses Namens, während die Bemühungen, seine Rechte aufNeapel und Sicilien geltend zu machen, ohne Erfolg blieben.

Ludwig Xll. war der einzige König der Kapetingischcn Linie Orloans-Valvis. Um das Hcrzogthum Bretagne nicht einzubüßen, vermählte ersich mit Karls Wittwe, nachdem er Johanna von Österreich verstoßenhatte. 1590, zwei Jahre nach seiner Gelangung auf den Thron, dachteer an die Krone von Neapel und an die Geltendmachung seiner, vonmütterlicher Seite herrührenden Ansprüche auf Mailand. Die Anstren-Ühngen, welche in dieser Beziehung gemacht wurden, blieben ohne Erfolg,nicht minder der Zug gegen die Venctianer, den Papst Julius ki. zu ver-ekeln wußte. Ludwig glaubte sich am Papste, mit den Waffen in derHand, rächen zu müssen, und der Krieg, der gegen diesen beschlossenwurde, fand sogar Billigung bei der französischen Geistlichkeit, die vonihren Gütern Subsidien bewilligte; allein der erste F-eldzug war nichtglücklich, und Ludwig starb in dem Augenblick, wo er zum zweiten auf-brechen wollte. Dieser Fürst erwarb sich den ZunamenVater des Va-terlands;« er forderte niemals neüe Steücrn, führte aber die Verkaüf-lichkeit der Auflagen ein.

Franz!., Prinz von Geblüt, Urenkel des, vvm burgundischcn Herzogermordeten Herzogs von Orlvans, folgte Ludwig Xli. im Jahre 1515.Die Vorbereitungen seines Vorgängers benutzend, unternahm er eineExpedition in's Milancsische, und schloß 1518 mit Leo X. ein Concordat.Allein Karl V. war Kaiser geworden, und hatte mit dem Papste, Eng-land, Ferdinand von Österreich, den Venctianern, dem Herzoge von Mai-land, den Florentinern und Genuesern ein Bündniß gegen Frankreichgeschlossen, das überdem im Innern durch den Aufstand des schlecht belohn-ten Cvnnetables von Bourbvn ernstlich bedroht wurde. Franz mußtesteh nach allen Seiten hin vertheidigen, wobei ervvnBayard, dem Ritterohne Furcht und Tadel, kräftig unterstützt wurde; allein er beging dielknklugheit, nach Italien zu gehen, wo er, in der Schlacht von Pavia,1525, zum Gefangenen gemacht wurde. Er kaufte sich los, indem erdurch den Friedensoertrag von Madrid gelobte, mehrere Provinzen abzu-treten. Da er aber nicht Wort hielt, so entbrannte der Krieg in Jta-lien auf's Neue, endigend mit dem Frieden von Cambray. D^r Auf-stand des Connctable von Bourbvn, Lurch die Mutter des Königs her-deigeführt, hatte die Confiskativn der Auvergne, des Bourbonnais undder Marche zu Gunsten der Krone zur Folge; und ein, im Jahre 1542mit den Bretons geschlossener Vertrag verschaffte die Bretagne vestnlttf