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Eüropäisches Staatensystem.
Franz I., der Claude, Anna's Erbin, zur Gemalin genommen hatte.Während der Regierung dieses Fürsten sehte sich die Reformation inFrankreich fest, und Franzosen gründeten die ersten Niederlassungen inCanada; das Collvge de France und die königliche Buchdruckcrei wurdenvon diesem Monarchen gestiftet, und er führte den Gebrauch der fran-zösischen Sprache bei allen öffentlichen Verhandlungen ein. Le Havre,Fontainebleau und das Louvrc in Paris wurden von ihm erbaut.
Sein jugendlicher Sohn, Heinrich II-, ließ sich von Diana von Poi-tiers, die er zur Herzogin von Valcntinois erhoben hatte, beherrschen;war aber nichts desto weniger ein kriegerischer Fürst, unter dessen Regie-rung Calais von den Engländern erobert wurde, und Metz, nebst Toulund Verdun, Frankreichs Obcrhcrrlichkcit anerkennen mußte. Als seinSohn Franz II. im Jahr 1559 den Thron bestieg, bildeten sich am Hofedrei mächtige Parteien: die Partei der Prinzen von Geblüt, Anton vonBourbvn, König von Navarra, und sein Bruder Ludwig I., Prinz vonCond«; die Partei der Guise, Oheime Maria Stuart's, Gemalin desKönigs, und die Partei der Montmorency. Diese Regierung von nur17 Monaten diente gleichsam als Einleitung zur Regierung Karls IX.Die Saat zu den Religionskriegen fing an aufzugehen durch die schänd-lichen Umtriebe Katharinens von Mcdicis, der Mutter des Königs, sowie durch die Hinrichtungen, womit die Amboiser Verschwörung bestraftwurde. Das Gemetzel von Vassy, vier auf einander folgende Bürger-kriege und die schcüßtiche Barthvlomäus-Nacht, die Pariser Bluthochzcitgenannt, das sind die Ereignisse, welche die Regierung des zweiten Soh-nes der Mediceerin auf die Nachwelt gebracht, und sie in der Geschichtegebrandmarkt haben. Unter dieser Regierung fertigte der tugendhafteAdmiral Coligny eine Kolonie nach Amerika ab. Der dritte Sohn Ka-tharinens, Heinrich III-, wußte seine schändlichen Handlungen und Aus-schweifungen mit dem Mantel der Religion zu bedecken; und die Ligue,die er Anfangs begünstigte, in der Folge aber bekämpfen mußte, wobeiihm König Heinrich von Navarra hülfreiche Hand leistete, brachte Frank-reich in Verwirrung und führte des Königs Tod herbei. Er ward inSt. Cloud, im Jahre 1589, von Jacques-Clcment ermordet; — mit ihmerlosch der Valois-Zweig des Kapetingischen Stammes.
Der Kardinal von Bourbvn, der an der Spitze der Ligue stand,wurde von dieser unter dem Namen Karl X. als König ausgerufen; undHeinrich, König von Navarra, der legitime Erbe des französischen Throns,sah sich gezwungen, seine Rechte mit dem Blute der Unterthanen undmit der Abschwörung des protestantischen Glaubens zu erkaufen. DieJesuiten hatten unter Karl IX. in Frankreich festen Fuß gefaßt, Hein-rich verbannte sie I5S5. Drei Jahre später erließ er das Edikt vonNantes, das den Calvinistcn Gewissensfreiheit verlieh. Philipp II. vonSpanien hatte die innern Zerrüttungen Frankreichs bis dahin immergeschickt benutzt, um mehrere Provinzen dieses Landes an sich zu bringen;der Friede von Vcrviers setzte diesen Einbrüchen endlich ein Ziel; alleswas Philipp in der Picardie besetzt hatte, mußte er herausgeben. Ebenso war es mit dem Herzog von Savoicn, der im Jahr 1601 die Land-schaften Bresse und Bugey abtrat. I6V3 wurden die Jesuiten zurück-