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5 (1843) Zweiter Theil, enthaltend Frankreich, das britische Reich und das Russische Reich. Schweden und Norwegen, Dänemark, Belgien, die Niederlande, Portugal, Spanien, die Schweiz, Italien, Neapel und Sicilien, Sardinien, Kirchenstaat, Toscana, Parma, Modena, Lucca, San Marino und Griechenland / von Dr. Heinrich Berghaus
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Frankreich.

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berufen. Heinrich trug die Krone nichts weniger als in Ruhe; Ravaillac,der den König im Jahr 1610 ermordete, soll der fünfzigste der Meuchel-mörder gewesen fein, die gegen das Leben Heinrichs IV. geworben wor-den sind. Die Weisheit des Ministeriums Sully trug zur Wohlfahrtdes französischen Volks unter der Regierung desbesten der Könige«mächtig bei. Bearn, der französische Antheil von Navarra, und dieGrafschaft Foix wurden von Heinrich mit Frankreich vereinigt. Unterder Regierung seines Sohnes, Ludwigs XIII., entbrannte der Religions-krieg auf's Neüe; dagegen eröffnete die Verwaltung des Premierministers,Kardinals von Richelieu, eine höchst merkwürdige Epoche in der GeschichteFrankreichs : Richelieu befestigte und vermehrte die Gewalt der Krone, erkolvnisirte die Inseln St. Christoph, Martinique und Guadeloupe, sowie Cayenne in Guiana; er war es, der die französische Akademie errich-tete und überhaupt das Jahrhundert Ludwigs XIV. würdig vorbereitete.Mitten unter den bürgerlichen Awistigkeitcn führte die Eroberung vonArras die Vereinigung der Grafschaft Artois mit der Krone, 1640, her-bei, während im folgenden Jahre die Cerdogne und das Nvussillon erobertwurden. Ludwig XIII. starb 1643.

Während der Minderjährigkeit seines Sohnes, Ludwigs XIV-, wardie Mutter desselben Rcgcntin, und der Krieg mit dem Hause Österreich,ber schon unter dem vorigen Könige begonnen hatte, ward eifrigst fort-gesetzt. Cond«, der französische Feldherr, erfocht Sieg über Sieg; alleinbald fehlte das Geld, und die Mittel, die Mazarin, der Minister, inAnwendung brachte, um sich welches zu verschaffen, verursachten einenBürgerkrieg, in dem sich der Kardinal von Netz auszeichnete, der fürdie Frondeurs, so nannte man die Rebellen, Partei genommenhatte. Condv, der es bisher mit dem Hofe gehalten hatte, trat zurandern Partei und bekämpfte Turenne, den Feldherrn des Ministers. DieEntfernung des Kardinals Mazarin stellte die Ruhe endlich wieder her,16S2; Loch wurde er von Ludwig XIV. selbst bald darauf zurückberufen.Mitten unter den Schrecknissen des Bürgerkriegs hatte Mazarin denWestfälischen Frieden, 1648, geschlossen, wodurch er Frankreich den El-saß, so wie die Bisthümer Metz, Toul und Verdun erwarb; dagegendauerte der Kampf mit Spanien fort, bis er in Folge des Piräneen-Friedcns 1659 endigte, der durch die Vermählung Ludwigs mit der In-fantil, Maria Theresia besiegelt wurde, und Frankreich den Besitz desRvussillon, so wie Abtretung des Charvlais verbürgte. Ludwig XIV.übernahm die Verwaltung selbst erst nach dem Tode des Kardinals, derün Jahr 1661 erfolgte. Während Mazarins Ministerium ließen sich dieFranzosen auf den Inseln Marie-Galante, St. Barthelemp, Bvurbvnund Granada nieder, und französische Boucaniers setzten sich im west-lichen Theile von St. Domingo fest. Unter Colberts Verwaltung konnte-mdwig XIV. Dünkirchcn durch Kauf an sich bringen, 1662; in demsel-

Jahre ward die ostindische Kompagnie errichtet, zwei Jahre späterder Senegal kvlvnisirt und im Jahre 1665 die Niederlassung Fort-Dau-phin auf Madagaskar gegründet. Die Eroberung Flanderns, 1667,bekräftigte der Aachener Friede, wahrend Ludwig in diesem Vertrage dieFreigrafschaft, die 1668 besetzt worden war, wieder herausgab. Ein