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5 (1843) Zweiter Theil, enthaltend Frankreich, das britische Reich und das Russische Reich. Schweden und Norwegen, Dänemark, Belgien, die Niederlande, Portugal, Spanien, die Schweiz, Italien, Neapel und Sicilien, Sardinien, Kirchenstaat, Toscana, Parma, Modena, Lucca, San Marino und Griechenland / von Dr. Heinrich Berghaus
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139
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Frankreich.

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Ludwig XlV. hinterließ von seinen legitimen Nachkommen nur eineneinzigen Sprößling, seinen Urenkel Ludwig XV., 5 Jahre alt, unter derdespotischen Vormundschaft Philipps von Orlvans, Neffen des verstor-benen Königs. Philipp V. von Spanien war, nach dem etwa erfolgen-den Absterben des königlichen Knaben, der überdem kränklich war, dernächste Erbe des französischen Throns, allein die spanische Linie dcr Bour-bnns hatte im Ütrechter Frieden auf die Thronfolge in Frankreich Ver-zicht geleistet. Nichts desto weniger suchte der spanische Hof diese Klau-sel zu umgehen; und es entspann sich demgemäß 1718 zwischen Frank-reich und Spanien ein Krieg, der aber durch die Entfernung des spanischenMinisters Albervni, welcher die Haupttricbfcder des Auftretens Philipps V.gewesen war, 1720 beendigt wurde. Das Jahr vorher hatten Fran-zosen die, im St. Lorcnz Golf liegende Insel St. Jean kolonisirt, wäh-rend die Wohlfahrt Frankreichs selbst durch das Finanzsystem John's Law,eines Schottländers, in seinen innersten Grundfesten erschüttert wurde.Der Frieden dauerte dreizehn Jahre, und würde vielleicht noch nicht sobald getrübt worden sein, wenn nicht Kaiser Karl V!. die Wiedererwäh-lnng Stanislaus Lcsczinsky (des Schwiegervaters von Ludwig XV.) zumKvniqc von Polen verhindert harte. Spanien und Sardinien verbandenNch mit Frankreich: der Kaiser wurde aus Italien vertrieben und derFriede 1736 zu Wien geschlossen; in Folge desselben trat Frankreich dieLandschaft Barrvis und Lotharingen an Stanislaus, unter der Bedingung,ab, daß diese Länder nach dem Tode dieses Fürsten, der 30 Jahre spätererfolgte, an die Krone zurückfallen sollten. Kaiser Karl VI. war derletzte des Habsburgischcn Mannsstammes, und Karl Albrecht, Kurfürstvon B.ncru, machte, beim Tode des Kaisers, seine Ansprüche auf dieganze Habsburgische Erbschaft geltend. Frankreich nahm seine Partei,während England und andere Mächte Maria Theresia, die Kaiscrstochter,unterstützten. Der Krieg, der sich daraus entspann, hatte für Frank-reich unglückliche Resultate; mehrere seiner Kolonien wurden von denEngländern besetzt und seine ganze Flotte zerstört. Zwar wurde derKampf durch den Aachener Frieden, 1748, geendet, allein der Vertragwar in ft, unbestimmten Ausdrücken abgefaßt, daß er den Ausbruch neuerFeindseligkeiten zur Folge hatte, aus denen der siebenjährige Krieg ent-sprang. Dieser endete 1763 mit dem Vertrage von Versailles, vermögedessen Frankreich die Insel St. Jean und Jle Royale (Kap Breton);ganz Canada und die Landschaften auf der linken Seite des Mississippi,wit Ausnahme von Neü-Orlsans; und Granada, so wie die Kolonienam Senegal an England verlor; es leistete überdem auf Dominica, To-bago und Saint-Vinccnt Verzicht, behielt aber die Insel St. Lucia, dieas >756 in Besitz genommen hatte. 1754 hatten sich französische Kvlo-"'sten auf La Desirade und den Samtes festgesetzt; und 1768 trat dieRepublik Genua die Insel Korsika ab. Das Jahr darauf trat Frank-reich ftjer Seits Lvuisiana an Spanien ab, und erkaufte von der Ost-"cknichcn Kompagnie deren sämmtliche Besitzungen, die sie von 1676 bis^739 erworben hatte, nämlich Pondichery, Chandcrnagore, Mahs undKarikal, nebst Depcndenzicn. Ludwigs XV. Regierung hat aus Frank-reich großes Unglück gehaüft; sie war eine anerkannte Maitrcssenherr-