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5 (1843) Zweiter Theil, enthaltend Frankreich, das britische Reich und das Russische Reich. Schweden und Norwegen, Dänemark, Belgien, die Niederlande, Portugal, Spanien, die Schweiz, Italien, Neapel und Sicilien, Sardinien, Kirchenstaat, Toscana, Parma, Modena, Lucca, San Marino und Griechenland / von Dr. Heinrich Berghaus
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Europäisches Staatensystem.

Britannien ist das moderne Weltreich!

Nicht mit dem Schwerte, wie das ephemere Svldatcnreich Alexan-ders des Maeedoniers, das vvm Ionischen Meere bis an den Hyphasisreichte, oder wie das tausendjährige Römer-, das Weltreich des Alter-thums, — nein, an der Hand friedlichster Beschäftigungen ist das Welt-reich unserer Tage gestiftet worden: Merkur hat mit seinem Stab denWeg gezeigt znr Gründung dieses Weltreichs der Intelligenz.

Rings um das Erdenrund reicht britischer Einfluß. Da ist keinFleck, der nicht von den Haiidelöleüten des betriebsamen Jnsclvvlks besuchtwürde; bewußt und unbewußt tragen diese Diener des Merkur die Kul-tur in die entlegensten Gegenden der Erde; aber bewußte Träger christ-licher Gesittung sind die Diener des Wortes Gottes, die Hcilandboten,die, vornehmlich von Britannien aus, über den ganzen Erdkreis sichverbreitet haben, den Heiden das Evangelium, die Lehre der Liebe, zubringen.

Britannien ist das vornehmste Werkzeüg, dessen sich der Weltregicrerbedient, die höchste Potenz der Civilisation durch den Ruf: Christus istauferstanden! auf der Erde zu verbreiten.

Von dem Jnselpaare, welches an der Westseite Eürvpa's nur durchjene schmale Meerenge, die nach Dover oder Calais genannt wird, vvmKontinente getrennt ist, strahlt jener wohlthätige Einfluß über dieMenschheit aus.

Diese Zwillingsiuseln haben sich seit hundert Zähren in der christ-lichen Welt zum Mittelpunkt der materiellen Wohlfahrt und der geistigenBildung emporgeschwungen. Unausgesetzt, aber geraüschlos, sind dieAnstrengungen gewesen, vermöge deren das Britische Volk einen Stand-punkt des Nationalrcichthums erstiegen und dadurch eine politische Be-deütsamkeit genommen hat, deren Äußerung nirgends ihre Schrankenfindet.

Diese Erfolge verdankt das Britische Reich seinen freien Institutio-nen. Aber die Freiheit kann nur bei einem Volke Wurzel fassen undweiter wuchern, das durch Bildung des Herzens und des Geistes für sieempfänglich geworden. Das ticfgcwurzelte religiöse Gefühl des Briti-schen Volks, die sittliche Bildung, die in den Massen verbreitet ist, undder daraus hervorgehende Drang nach Belehrung, die gelaüterte Ver-fassung der Kirche, die eine unbegränzt freie Forschung hegt und pflegt,daher das Ringen nach echter Kultur des Geistes, — das sind die Grund-pfeiler der hohen Stellung, welche das Britische Reich im eürvpäischenStaatensystem nicht bloß, sondern in allen politischen Systemen der gan-zen Welt behauptet.

Wenn gleich vom staatsrechtlichen Standpunkte die sämmtlichenaußercüropäischen Besitzungen Britanniens als Bestandtheile des Reichsbetrachtet werden müssen, so zwar, daß die Besitzungen in Afrika, Ame-rika und Australien, als Kolonien, den politischen Gewalten des Mutter-landes durchaus untergeordnet sind, , so darf man doch ein Gleiches nichtvon den Besitzungen in Asien sagen; denn diese, obwohl auf das Bri-tische Reich in Eüropa wesentlich gestützt, bilden einen Staat für sich,— das Zndo-Britische Reich, das, seiner politischen Bestimmung nach,