430
Europäisches Staatensystem.
für den ganzen Umfang des Jndo-Britischen Neichs nicht gleichzeitig; dieStellung des Landes gegen das Meer bedingt diese Zeit: alle westlichenKüsten haben die Regenzeit beim Südwest-Mousun, alle östlichen Küsten-beim Nordost-Monsun. Und daraus folgt, daß im Binnenlands, wobeide Monsune sich begegnen, auch ein Verschmelzen derselben stattfindenmüsse, daß, mit andern Worten, die Regenverhältnisse denen der ge-mäßigten Zone analog sein werden, oder, daß im Lauf des ganzenJahres ein Niederschlug erfolgt. Nirgends auf der Erde stürzt so vielWasser vom Himmel, als in der heißen Zone. Für die der alten Welt,und insbesondere für Indien, laßt sich die Regenmenge, womit der Bo-den das Jahr hindurch getränkt wird, zu 72" annehmen. Aber dies istnur ein Durchschnitt, und fast unglaublich könnte es klingen, wäre esnicht durch wirkliche Messungen erwiesen, wenn wir hören, daß einzelneÖrtlichkeilen 75", SS", 1Ü9", ja sogar die ungeheüere Größe von283"'/- oder mehr als 2L'/, Fuß jährliche Regenmenge besitzen. Wennin unseren Klimate» der Regen das gewöhnliche Maß nur um wenigeZoll überschreitet, so treten unsere Flüsse aus ihren Ufern, wie großalso müssen erst die Überschwemmungen sein, denen die indischen Strom-thäler ausgesetzt sind! In der That: die Deltaläuder des Ganges unddes Indus gleichen in der Regenzeit großen Süßwaffer-Meeren, diesich einer Seits mit dem Salzwasser-Mecre verschmelzen, andrer Seits sotief landeinwärts reichen, daß ihr Ufer, wie beim Ganges, fast am Fußdes Himalaya steht. An jene Fülle von Regen gränzt aber auch einverhältnißmäßizer Regenmangel, ein Mangel mindestens unter den Tro-pen. So auf den Ebenen der westlichen Provinzen Hindustan's, undauf den Plateaufiächen der Halbinsel, wo die Regenmenge nicht mehrbeträgt, als im mittleren Deütschland.
4. Produkte.
Mineral-Produkte: Eisen, Kupfer, Blei, Antimon, Schwefel undGold giebt es in Menge, und unerschöpfliche Kohlenlager, deren Erzcüg-niß den eürvpäischen vorgezogen wird. Mit Ausnahme des Kohlen-Baus,der in der nettesten Zeit sehr in Aufnahme gekommen ist, liegt aber derBergwerks-Bctrieb und die Industrie in metallischen Arbeiten sehr dar-nieder; doch zeichnet sich unter den letzteren die Eisen- und Stahl-Fabri-kation von Cutsch, in der Präsidentschaft Bombay, ganz besonders au^-Für die Gewinnung der Edel-Metalle, insbesondere des Goldes, istaüßerst wenig geschehen, ein besserer Betrieb, und es läßt sich erwarten,daß eine sehr ergiebige Quelle des National-Reichthums eröffnet würde-Indien ist als Vaterland der Diamanten bekannt.
Die Erzeügnisse des Pflanzenreichs sind rein tropisch, mit AusnahMder höheren und höchsten Stufen des Himalaya, wo Gewächse gemäßigtKlimate an die Stelle jener treten. Jndien's Küsten sind mit der, de'Menschen so nutzbaren Kokos-Palme eingefaßt, und die prachtvollstWaldungen bedecken die Gebirge. Reis bildet das Hauptnahrungsmit ,und wird, namentlich in der Präsidentschaft Bengal, in so großergebaut, daß bebrütende Quantitäten zur Ausfuhr gebracht werden kön ,Weizen baut man in den westlichen und nördlichen Provinzen Hindusta