Die Königreiche Schweden und Norwegen.
659
der Nähe beobachten zu können, und im Jabre 1792 berief er einenReichstag, auf welchem er um eine Anleihe von 19 Mill. Thaler antrug,die er wahrscheinlich für Ludwig XVI. verwenden wollte; allein dieStände schlugen dies ihm ab. Der Haß des Adels griff immer weiterum sich und mehrere Glieder desselben verschwuren sich gegen das Lebendes Königs. Auf einem Maskenballs zu Stockholm sollte Gustav fallenund Ankarftröm war es, der ihn durch einen Pistolenschuß in den Rücken1792 den 26. März tödtlich verwundete. 13 Tage nachher starb Gustav;Ankarström aber wurde verhaftet und hingerichtet. Gustavs Nachfolgerwar sein vierzehnjähriger Sohn, Gustav IV. Adolph, bis zu dessen Mün-digkeit sein Oheim Karl, Herzog von Södermanland regierte. 1796trat Gustav selbst die Regierung an. Als Jüngling zeigte er einenganz eigenthümlichen Charakter, zugleich war er mit einem höchst recht-lichen Sinne begabt, aber aberglaübisch, dem Mysticismus ergeben undvon einem außerordentlichen Starrsinn. Gleich beim Antritte seinerRegiernng bewies er, wie sehr ihm das Wohl seines Landes am Herzenlag. Gegen Napoleon trug er einen unversöhnlichen Haß, schloß sichdeshalb England und Rußland an, widersetzte sich dem französischenKontinentalsystem und erschien in dem Kriege Österreichs gegen Frank-reich selbst in Deutschland, um an dem Kampfe Theil zu nehmen, mußteaber nach der Schlacht bei Austerlitz wieder nach Schweden zurückkehren.1896 ging Pommern für Schweden verloren. Da Gustav seinem BundeMit England getreü blieb, so verfeindete er sich dadurch mit Rußland,Dänemark und Preüßen, wurde aber von England unterstützt, mit demer jedoch ebenfalls durch seinen Starrsinn in Verdrüßlichkeiten gerieth.Die Russen eroberten Finnland und bedrohten Stockholm, allein er botallen seinen Feinden Trotz und das zum Unglück seines Landes. An derGränze von Norwegen entstand ein Aufruhr und gegen 60VV Schweden,welche mit den Dänen kämpfen sollten, rückten gegen Stockholm. AlsGustav Streitkräfte sammeln wollte, ward er plötzlich vom FeldmarschallKlingspvrr und dem General Adlerkreüz verhaftet und gezwungen» dieKrone niederzulegen. Darauf begab er sich nach Deutschland, derSchweiz, Frankreich rc., wo er sich viel mit der Offenbarung Johannisbeschäftigte. Er starb vor einigen Jahren in St. Gallen. Nach Gu-stav's Absetzung nahm der Herzog Karl von Södermanland, als Karl XIII.ble Regierung an, bestimmte den Prinzen August von Holstein-Angusten-burg zu seinem Nachfolger und schloß im Jahr 1899 mit Rußland undDänemark Frieden. Bei einer Truppenmusterung den 28. März 1819ward aber der Thronfolger vom Tode ereilt und man glaubte, daß er^rgistet worden sei, weshalb auch der Feldmarschall, Axel Friesen, denMan im Verdacht hatte, vom Volke in Stockholm ermordet wurde,^seine Schuld ist jedoch nicht bewiesen. An die Stelle des Kronprinzenwurde ein Verwandter Napoleons, der französische Marschall Bcrna-, "hoben, welcher die evangelische Religion annahm und 1818 als^fl X4v. den schwedischen Thron bestieg. Er hatte Antheil an dema» " Befreiungskriege genommen, sich in mehreren Schlachten aus-vm und i'" Friedensschlüsse zu Kiel 1814 die Abtretung Norwegensvn Lanemark erzwungen. Allein die Norweger wollten den schwedischensticht als ihren Herrn anerkennen, wurden aber gezwungen, sichtter die Herrschaft von Karl XIV. zu fügen, der eine von ihnen selbstdansc Verfassung genehmigte. Karl XIV. weiser Regierung ver-nnrr Schweden manche gute Einrichtung. Er war es, der das Land
42 -