Buch 
5 (1843) Zweiter Theil, enthaltend Frankreich, das britische Reich und das Russische Reich. Schweden und Norwegen, Dänemark, Belgien, die Niederlande, Portugal, Spanien, die Schweiz, Italien, Neapel und Sicilien, Sardinien, Kirchenstaat, Toscana, Parma, Modena, Lucca, San Marino und Griechenland / von Dr. Heinrich Berghaus
Entstehung
Seite
751
JPEG-Download
 

Das Königreich Belgien.

75 L

3. Kultur des belgischen Volks.

Von den verschiedenen Zweigen der physischen Kultur habenwir bereits im vorhergehenden Abschnitt gesprochen, und wir gehen nunzur technischen Kultur über, wobei wir die Industrie und den Han-delsverkehr unterscheiden. Die Industrie anlangend, so ist diese in Bel-gien sehr bedeutend, und man kann behaupten, daß sie mit der Englandswetteifert. Von großer Wichtigkeit sind die Wollenmanufakturen, welchefür eine Summe von 12 bis 15 Mill. Fr. alljährlich Wolle aus Deutsch-land, Holland, England und Spanien verbrauchen. Einer der wichtig-sten Zweige der belgischen Industrie ist die Tuchfabrikation. Die Tüchersind fein, haben noch vor den französischen den Vorzug, und der bel-gische Kaschmir läßt nichts zu wünschen übrig. Die bedeütendsten Fa-briken befinden sich zu Verviers und Lüttich. Erstere Stadt und derenUmgegend beschäftigte allein im Jahre 1833 2V,VVV Arbeiter, die jähr-lich gegen ivchvoo Stück Tuch liefern. Wollene Stoffe, wie Flanell, Decken,Sarsche, Zwillich, Kamelot rc. werden in allen Provinzen verfertigt,hauptsächlich aber zu Hodimvnt, Firlemvnt, Stavelot, Thuin, PoperingheUnd Apres. Die Decken stehen den in Frankreich verfertigten an Soli-dität nach und werden in Brüssel, Lüttich, Mecheln und Verviers ver-fertigt. Dagegen prvduzirt man Wollenmonsseline, Merinos z. B. in"üttich und Verviers mit vielem Glück. Die bedeütendste Teppichfabrikzu Tournai. Sie verfertgit alle Arten von Fußteppichen und beschäf-tigt gegen I6üv Arbeiter. Fabriken zweiten Ranges dieser Art sind zuBrüssel, Antwerpen, Gent,' Bruges und Courtrai.

Belgiens Industrie in der Leinwandfabrikation hat schon lange einen^llsgezeichneten Nus behauptet. Die beste Leinwand liefern Courtrai,dann Gent, St. Nicolas, Termvnde, Alost, Lokeren, Brüssel, Bruges undNeuve-Eglise, und bedeütenden Handel damit treiben Ninove, Aude-Uerde, Renaix, Grammvnt, Thielt, Roulers, Journai, Ath, Eughien,hecheln und Tnrnhout. Trotz der Dortrefflichkeit der Leinwand aber ists.w belgische Industrie in ihrer Entwickelung durch die Konkurrenz eng-M,er Fabrikate aufgehalten. Batist wird nur zu Saintes verfertigt,stsahzwirn, Linnen u. dgl. m. liefern mehrere Orte. Etablissements fürGewebe nach englischer Art befinden sich zu Gent, Lüttich, Brüssel undhecheln. Das Bleichen der Leinwand hat in Belgien eine hohe StufeA' Vervollkommnung erlangt und man zählt eine Menge trefflicherWelchen in beiden Flandern, in Brabant, Hcnnegau und Antwerpen,welche letztere Provinz eine Dampfbleiche besitzt.

- . In den Baumwollenmanufakturen werden gegen 12L,V0Y Arbeitertzslchäftigt und es gibt deren zu Gent, Lüttich, St. Nicolaö, Antwerpen,<L^"hvut, Mecheln und Lierre. Sie liefern jährlich eine halbe Milliontz/E.Calicots und 4vv,vv0 Stück Jndiennes, im Werthe von beinahe„„.-^lll. Fr. Der Verbrauch an Baumwolle betrug im Jahre 1837"v 1838: 3vv,ooo Kilogr.

2n ^"Mittelpunkt der Seidenmanufakturen ist Antwerpen, wo manae>, mit ivv Webern zählt, in denen alle Gattungen von Zeu-ch.,. werden. Eine Fabrik zu Lierre liefert Atlas, Sammet

scbö„^ e andere Stoffe, und die Fabrik zu Uccle zeichnet sich durch ihre>en gefärbten und gedruckten Gewebe aus.

Trwn'd^hesten Spitzen liefern Brüssel, Mecheln, Antwerpen Lierre und"yvut, und zu Mvns befindet sich eine besondere Schule zur Verfer-