88
mes ausüben, sieht man nicht selten bei Obstbäumen, besondersbei solchen, die an den Seiten hoch und srei liegender Bandstraßenangepflanzt sind, deren Stämme oft in bedeutenden Strecken eineschiefe Richtung haben und zwar alle nach der nämlichen Seitesich neigen, so daß man darin die Wirkung des gewöhnlich inder Gegend herrschenden Windes nicht verkennen kann. Bei al-len bis jczt betrachteten Abweichungen des Stammes von dersenkrechten Richtung, bleibt doch durchgängig der Gipfel seinerursprünglichen Richtung treu und man sieht sowohl den Stammals auch die Aeste ihren Gipfel mehr oder weniger aufrichtenund dadurch ihr Streben dem Lichte entgegen deutlich ausgedrückt.Bei Pflanzen, welche aus den Ritzen alter Mauern hervorwach«sen, ist der Stamm immer senkrecht aufsteigend, sobald er die ge-hörige Festigkeit besizt, um sich aufgerichtet zu erhalten — wiebei W o l l k r a u t a r t e n (Veichaseum), dem Goldlack (tlbsl-rantiius Litoiri) und dem großen Löwenmaul»um mng'us) — und nur wenn er dazu zu schwach ist, wird erherabhängend, wobei aber die jüngsten Triebe und dieBlü-thenstiele wenigstens sich aufzurichten suchen wie bei dem Cym-bclkraut sl^iuarl» welches in manchen Gegenden
die alten Mauern stellenweise mit seinem frischen Grün übcrklei-det und bis in die Wintermvnate mit seinen aufgerichteten, blaßvioletten, niedlichen Blüthen das Auge erfreut,
In der Große des Stammes zeigt sich bei den verschiedenenPflanzen ein weit bedeutenderer Unterschied als bei der Wurzel.Welche Abstufungen dieses Verhältnisses lassen sich denken zwi-schen dem Stamme der kleinsten Moose—aus der Gattung Ohn-mund (langem») — der kaum den sechsten bis vierten Theileiner Linie übersteigt, und dem der R otang-Pa lm en (Onlu--IUU8 üraoo, 6. mistentnm n. tl. liotniiA), welche eine Höhe von300 bis 500 Fuß und darüber erreichen. Diese Höhe des Stam-mes stcbt, wenn auch oft, doch nicht immer im Verhältniß zurLänge der Wurzel und während z. B. bei dem Märzveilchcndie eigentliche Wurzel in der Große dem Stamme gleichkommtoder diesen noch übertrifft, haben die Palmstämmc, im Verhältnißzu ihrer Höhe, nur sehr kurze Zaserwurzeln. Eben so wenig fin-dct sich ein bestimmtes Verhältniß der Höhe des Stammes ver-schiedener Pflanzen zu seiner Dicke; der 500 Fuß hohe Stamm