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1 (1834) Allgemeine Botanik I / von Gottl. Wilhelm Bischoff
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455
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im feuchten Zustande in dicht gewundene Spiralfascrn eingewickeltsind (k'iA. 424); sobald sie trocken werden, rollen sich diese Fa-sern auf, losen sich zuweilen auch los, und dann sieht der ganze,aus den Früchten hervortretende Inhalt einem graulichen Filzeähnlich; unter starker Vergrößerung erkennt man aber, daß zweian beiden Enden spatelig verbreiterte Fasern jedem Korn an demPunkte, wo sie sich durchkreuzen, angeheftet sind (k'. 425).Diese Fasern, welche, wie mit feinen Körnchen bestreut, ausse-hen, sind außerordentlich hygroskopisch, und da der gelindesteHauch des Beobachters auf sie wirkt, so kann man die Fasernder unter ein Mikroskop gebrachten trocknen Sporen nach Belie-ben zum Einrollen und Wicderaufschncllcn bringen, wodurch ineiner größeren Masse von Sporen eine merkwürdige zappelndeBewegung entsteht, als wenn dieselbe belebt wäre. Die Bedeu-tung und wahre Natur dieser Fasern ist zweifelhaft; sie scheinendas Austreten der Sporen aus den Früchten zu erleichtern undin geringem Grade das Fvrtschnellcn derselben zu bewirken, da-her man sie auch als Sp o re n sch le u d ern (Klareren) be-zeichnet hat; ob aber dieses ihre einzige Bestimmung ist, oder obsie bei Erzeugung der Sporen eine Rolle spielen, ist nicht bekannt *).

Bei den übrigen kryptogamischcn Gefäßpflanzen den Far-nen (ki^. 404, k e) und Ophiv g losseen (kiK. 387, b) undden mit doppelten Befruchtungöorganen versehenen Zellenpfianzen

den Moosen (kiK.Z86) und Lebermoosen (kiK. 307, sie)

treffen wir, wie bei den Schaft Halmen, nur einerlei Spo-ren und in der Bildung derselben eine große Uebereinstimmungan. Sie verhalten sich alle den staubfeinen Spore» der Bär-lappe und des Bra ch sen krau te s ähnlich und geben, wie diese,

-durch ihre meist kugelig-tetrai-drische Gestalt schon ihre frühereVereinigung zu je vieren zu erkennen, welche sich jedoch auchdurch directe Beobachtung nachweisen läßt. Die Fruchthvhle istnämlich im jüngsten Zustande mit kugeligen oder polycdrischenZellen erfüllt (kiK. 584, e), welche man schon sehr früh von ei-nander getrennt und ganz frei in der Fruchthöhlc liegend findet(k'iA. 381, I>). Diese Zellen schließen eine körnig schleimige Masseein (klß. 385»), welche sich später in vier Klümpchc» sondert(kiA. 385, k v. IsiK. 404, »), wovon sich jedes mit einer zarten

") Die Annahme Hedwig's, daß diese beweglichen Fasern Anthe-ren seyen, ist höchst unwahrscheinlich. Der Meinung von Mvhl (a. a. O-S- 15 ), daß dieselben durch Spaltung der Zelle (Nx. 42 z, ab), in wel-cher sich die Spore bildet, entstehen, scheint die Beobachtung entgegen zustehen, daß die beiden Fasern an ihrem Anheftungspunkte sich kreuzenund daselbst übereinander liegen, wo dann zwei Zellenmembranen ursprüng-lich vorhanden seyn müßten.

Bischvff, Botanik. B». I

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