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Atlas der Tierverbreitung : 9 kolorierte Karten in Kupferstich mit 45 Darstellungen / bearbeitet von William Marshall, a.o. Professor an der Universität in Leipzig
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rechts, Guinea senkrecht, das mittlere Brasilien wagerecht liniiert.J)io Erklärung für diese Zeichnung liefern unten dieauf weifseinGrunde liniierton Vierecke. So zeigen die schräg nach links ge-richteten Linien das Vorkommen von Meleagris , die schräg nach rechtsgerichteten dasjenige von Phasianus, die senkrechten die Verbreitungder Opisthocomidae, die wagerechten die Heimat der Gattung Psophia an.

Jfie Fortschritte der Wissenschaft während der zwischen dem

Entwurf und der Ausgabe der Karten liegenden Zeit erfordern einigeÄnderungen der angegebenen Verbreitungsgrcnzon. So ist auf Tafel Ifür den gröfsorn Teil üstafrikas das Vorkommen von Stnithio australisangeführt. Es mufs jedoch für dieses Gebiet Struth,io molybdophanesverzeichnet werden, wenn anders überhaupt die spezitische Selbständigkeitdieser Form gegenüber St. australis sich bestätigt, was zur Zeit nocheine offene Frage ist. Der südliche und mittlere, gebirgige Teilvon Kamtschatka mufs blaugrün anstatt grau gedacht werden, da dieGattung Tetrao sich dort vertreten findet. Dieselbe Gattung wurdeferner in Akarnanien in Griechenland nachgewiesen, wo sie auf unsrerKarte noch nicht verzeichnet ist. Für die Gattung Megaloperdixhat man das Vorkommen in Kurdistan und Schiras in Persien sowieim westlichen China zu ergänzen. Auf Tafel 11 ist die Verbreitungder Alken durch das neuerdings nachgewiosene Vorkommen (.Brüten)dieser Vögel auf den Berlengainseln an der Küste Portugals zu ver-vollständigen. Fline Nectarinio (N. affinis) wurde in Beludschistanund in Persien nachgewiesen. Bezüglich Oriolus ist zu bemerken, dafsdas angebliche Vorkommen der Form auf Madagaskar zweifelhaft er-scheint. Dagegen ist für Madagaskar noch die den Paradies-vögeln sich anschliofsende Gattung Falculia zu ergänzen, womit auchdie Verbreitung der Paradiseidae, wenn anders die genannte Gattungin dieser Familie ihre richtige systematische Stellung hat, eine Er-weiterung erfährt. Endlich sei bezüglich der Verbreitung der Finkenund Spechte, für welche nur die Ost- und Westgrenze angegebenwurde, hinzugefügt, dafs diese Familien südwärts in Afrika bis zumKap der Guten Hoffnung , in Amerika bis zur Magellanstrafso, dieFinken auch noch aut Feuerland, den Falklandinseln und auf TristandAcunha Vorkommen, dafs dagegen die südoceanischcn Inseln undauffallender Weise auch Madagaskar und die Maskarencn aus demVerbreitungsgebiet dieser Vögel ausgeschlossen sind.

Fassen wir nun die Resultate, welche sich aus dem Studium derauf den Karten in ihrer geographischen Verbreitung dargestelltenVogelfamilien ergehen, zusammen, und entwerfen in grofsen Zügen einBild des Vogellobcus der Erde, so können wir sechs scharf charakte-risierte Zonen unterscheiden.

Zunächst fällt die Armut der nördlichen zirkumpolarcn Gebieteauf. Weit verbreitete Familien, wie in Amerika die Kolibris undStärlinge, in Europa -Asien Raken, Pirole und Wiedehopfe, überschreitenkaum den 60° nach Norden; sogar dieweltbcwohncndo Familie derEisvögel, die Kraniche und die den gemäfsigton Breiten beider Erd-liälften angehörenden Waldhühner (Tetrao) verschwinden da, wo diedurchschnittliche Jahrestemperatur unter 0 sinkt, wo das Gebiet derTundra beginnt. Aber trotz der Dürftigkeit des Vogollebens besitzendie Polargegenden eigentümliche Formen. liier ist die Heimat dosSchneehuhns, welches nur vereinzelt und kaum bis zum 50° in dasWaldgebiet der gemäfsigten Breiten eindringt oder sporadisch aufsüdlichen Hochgebirgen, den Pyrenäen , den Alpen, in Japan , alsReste der einstigen Glazialfauna sich erhalten hat; hier nisten aufschneebedeckten Klippen zu Tausenden die Alken (Älcidae) und Eider-enten (Somateria). die mildern Lüfte des Südens meidend.

Analog den Nordpolgebieten erweisen sich die Südpolarländer, diesüdoceanischen hiscln. In der Hauptsache in negativem Sinne charak-terisiert, entbehren auch diese Eilande nicht eigentümlicher Vogel-gestaltcn. Dort ausschlicfslich treffen wir die merkwürdigen Pinguine(Spheniscidae) und die sonderbaren Scheidcnschnäbol (Chionis), welcheden Systematikern viele Kopfschmerzen bereitet haben.

Eigenartig in seiner Vogelfauna zeigt sich Amerika und stellt sichals selbständige Zone dar. Hier sind die ausschlicfslich der westlichenErdhälfte angohörendon und fast über den ganzen Erdteil (mit Aus-nahme nur der arktischen Gebiete) verbreiteten Kolibris (Trochilidae)und Stärlinge (Ictcridae) zu finden, welchen wir die auf den Kartonnicht dargestollton, ungefähr in der Ausbreitung übereinstimmendenTyrannen (Tyrannülac) und Tanagras (Thraupinae) und die nochweiter zum Nordpol vordringenden Waldsänger (Sylvicolinae) ergänzendhinzufügen. Von beschränktem Vorkommen, aber nicht minder be-zeichnend für die amerikanische Fauna sind die Zahnhühner (Odon-tophorinae) , Baumsteiger (Anabatidae), Stcifshühuer (Cnjpturidac),Ilokohülmer (Gracidae), Puten (Meleagris), Madenfresser (Crotoplia-iridae) Kcilschwanzsitticlio (Conuridae) und die neuweltliclicn Zucker-"el (Dacnidinae). Alle diese Formen bedingen einen Gegensatzder Vogelfauna der westlichen Erdhälftc zu derjenigen derAltenWelt

An Stelle der schimmernden Kolibris des Westens treffen wir imOsten Ncctarinicn (Nectariniidae) und Bienonfrcssor (Meropulae) , anStelle der Zahnhühner und I-Iokos die Feldhühner (Pcrdicmae), Flug-hühner (Ptcroclidae) und Laufhühner (Hemipodiidae). Die Stärlingewerden ersetzt durch Stare (Sturmdae) und Pirole (Oriolus) diePuten durch Fasanen, Tyrannen durch Würger Waldsanger durchGrasmücken und Laubsängcr. Auch die neuweit, heben Geier (Sgrco-rhamphinae) unterscheiden sich scharf von den altwelthclion Vultunnae),die westlichen Zuckervögel von den östlichen (Dicaemae), die Rakendes Ostens (Coracias) von denjenigen dos Westens (Inomta). Diewoit über den Osten verbreiteten Trappen (Otululae) fehlen auf derwestlichen Erdhälfte, ebenso die Stachelburzcl (Gampephagidae) undKurzfufsdrossoln (Brachypodidae). n , n

Aber die östliche Erdhälfte zeigt keineswegs in a len IJtagleichen Faunencharaktcr. Während die MchrzaM der an efukrtenFamilien, welche die Verschiedenheit zwischen dci Alton und NeueWelt bedingen, über Afrika , Europa und Asmn smhveibreiten, ver-missen nur manche derselben, und zwar gerade die artenreic stcGruppen in dem australischen Gebiet, in Australien Papuasion Neu-seeland und Polynesien. Eine zwischen Borneo und Celebes östlichder Philippinen verlaufende Linien schoidot scharf die o?timts ge-legenen Länder von dem übrigen Teil der Alten Welt. D e i

in die arktische Zone vordringenden Familien der Finken und bpccMcendigen auffallendcrwcise liier plötzlich ihre ausgedehnte Verbre.itunDie weit verbreiteten Geier überschreiten diese Ostgrenze lucht. D oFasanen werden ersetzt durch die Wallnistor (Megapodndae). , an stelleder grünen Papageitauben (Treron) treten die bunten Flaumfufstauben(Ptilopus). Gleichzeitig erscheint eine Anzahl auifallondei Formen,welche ausschlicfslich auf das australische Gebiet beschrankt sind,

(Meliphagidae)

ziinglor (Trichoglossidae)

kommen in der Region durch die zahlreichen. Nektar lieferndenBlumen bedingt ist.

Endlich zeigt noch Madagaskar (nebst den Maskarenen ) einendurchaus selbständigen faunistischen Charakter. Mit Unrecht ist dieseTafel zoogeographisch der äthiopischen Region zugerechnet worden.Irotz der Nähe Afrikas fohlen auf Madagaskar die für jenen Kontinentbezeichnenden Vogelformen, die Nashornvögel, Pisangfresser, Bart-vögel, Spähvögel (Indicatoridae) und Geier. Man vermifst aber auchdie über den ganzen übrigen Teil der östlichen Erdhälfte verbreitetenIrappen, Kraniche und Meisen und, ebenso wie in Australien , dieFinken und Spechte. Dagegen treten australische Formen auf, wiedie an die Paradiesvögel sich anschliefsende Gattung Falculia, dieWürgergattung Vanga. Endlich ist eine Reihe eigentümlicher Vogel-gestalt.cn zu verzeichnen: die an die südamerikanischon Sonnenrallen(Eurypyga) erinnernden Stelzonrallcn (Mesites), der rakenartige Lep-tosomus und Verwandte, die merkwürdige Form Euryceros, die Laub-stare (Artamia) , welche die Pirole ersetzen, und die Seidenkuckucks(Sericosomus).

Beachtung dürfte die Thatsache verdienen, dafs die vier zuletztbehandelten Zonen je eine eigentümliche Form von Ricsenvögeln auf-zuweisen haben: Amerika den Nandu (Bhca), Afrika den Straufs(Struthio), Australien den Emu (Dromaeus) und Madagaskar den leidernur in Knochenreston erhaltenen Aepyornis.

Es pst hier nicht der Ort, auf weitere Folgerungen, welche sichhinsichtlich der Begrenzung untergeordneter Faunengebiete aus dergeographischen Verbreitung der Vögel ergehen, näher einzugohen.Die vorstehend gelieferten Hinweise aber mögen hei einem allgemeinenEntwurf einer zoogeographischen Einteilung der Erde, wie wir ihnvon der Zukunft erwarten, Berücksichtigung finden.

(Ant. Reichenow.)

III. Reptilien.

(Blatt V.)

I. Krokodile (Crocodilia, 3 Familien) haben eine zerstreute Ver-teilung in allen warmen Ländern : echte Krokodile (Crocodilidae,1 Gattung, 12 Arten) finden sich in der neotropischen Region, mitAusnahme des gemäfsigten Südens, in der ganzen äthiopischen undorientalischen bis Nordaustralien und nicht blofs im süfsen Wasser,sondern auch im Meere an untiefen Stellen der Küsten. Die Alliga-toren (Alligatoridae, 1 Gattung, 10 Arten) bewohnen das tropischeSüd-, und warme Nordamerika , fehlen aber in Westindien ; Gaviale(Gavialidae, 2 Gattungen, 3 Arten) werden im Ganges , auf Borneo undim tropischen Teil dos kontinentalen Australiens angetroffen.

II. Schildkröten (Chelonia s. Cataphracta, 4 Familien) sind wesent-lich tropische Tiere: die echten Süfswasserschildkröten (Cholydhlae,8 Gattungen, 45 Arten) haben ihr Verbreitungszentrum in Afrika inkl.Madagaskar , finden sich weiter in den kontinentalen Teilen der au-stralischen Region und des tropischen Südamerika , fohlen aber der ganzenorientalischen, palä- und ncoarktischen Region. Die Weichschildkröten(Trionycliidae, 3 Gattungen, 25 Arten) sind auch tropisch, haben aberihr Zentrum in der orientalischen Region bis Japan hinauf, sind auchin das kontinentale Afrika eingedrungen, jedoch nicht in Madagaskar ,werden hingegen im Osten des gemäfsigten Nordamerika wieder an-getroffen. Die gröfste, ihrer bedeutenden Artenzahl entsprechendeAusdehnung besitzen die Chersemydae (16 Gattungen, 126 teils dasLand teils das süfse Wasser bewohnende Arten). Sie finden sich inallen Provinzen aller Regionen mit Ausnahme der australischen undgehen in der östlichen Hälfte der europäischen Provinz ziemlich weitnach Norden. Die wasserbowohnendon Formen sind, ähnlich den Süfs-wasscnnollusken und entsprechend der reichen Entwickelung der Fluls-systemc, am grofsartigsten in Nordamerika entwickelt. Die Seeschild-kröten (Cheloniidac, 3 Gattungen, 5 Arten) finden sich in allen Meerenzwischen 40° N. Br. und 50° S. Br.

III. Schlangen (Ophidia, 25 Familicn) sind..ihrer ganzen Naturnach Kinder heifser Klimate und nehmen vom Äquator nach Nordenund Süden an Arten- und Individuenzahl rasch ab. Es gibt keineP'amilie, welche nicht zwischen den Wendekreisen ihre Repräsen-tanten hätte, aber sehr viele, welche nur hier Vorkommen. Fast ganzauf die Tropen beschränkt erscheinen die Zwergschlangen (Calamaridae,46 Gattungen, 75 Arten); die Blindschlangen (Typhlopidao, 10 Gattungen,70 Arten); die Pythons und Boas (Pythonidao, 22 Gattungen, 46 Arten);die Cobras (Elapidac, 26 Gattungen, 100 Arten); kletternde Baum-und Peitschenschlangen (Dendropliidao, 10 Gattungen, 25 Arten undDryiophidac, 6 Gattungen, 15 Arten), letztere im tropischen Afrika nur in den Waldgegenden. Auch die Nachtbaumschlangen (Dipsadidao,18 Gattungen, 45 Arten) sind tropische, kletternde Formen. Die Siifs-wasserschlangen (Ilomalopsidao, 16 Gattungen, 50 Arten) finden sichzwar in allen Regionen, sind aber nur in der orientalischen stark ent-wickelt. Orientalisch-äthiopische, in der Neuen Welt fehlende Familiensind: die Wüstenschlangen (Psammophidac, 6 Gattungen, 20 Arten)-die Fangzähner (Lycodontidac, 15 Gattungen, 35 Arten) und die Sand-schlangen (Erycidae, 3 Gattungen, 6 Arten). Die Familie der Gruben-ottern und Klapperschlangen (Crotalidao, 14 Gattungen, 40 Arten) istorientalisch-amerikanisch, die der Iiollschlangen (Tortricidac, 2 Gat-tungen, 5 Arten), Stumpfköpfe (Amblyccphalidac, 5 Gattungen, 16 Arten),Mondschlangen (Scytalidao, 3 Gattungen, 10 Arten) und Wenigzähner(Oligodontidae, 7 Gattungen, 40 Arten) im wesentlichen oriontalisch-nootropisch. Die Vipern (Viperidac, 7 Gattungen, 22 Arten) sind kon-tincntal-altweltlich mit Arten auf Ceylon und den Sundainseln. Orien-talisch sind die Familien der Schupjoensclmiinze (Xenopeltidae, 1 Gattung,

1 Art); Schildschwänze (Uropeltidao, 5 Gattungen, 18 Arten) und Warzen-schlangen (Aerochorididac, 3 Gattungen, 3 Arten); kontinental-äthiopischsind die Baumschildottern (Dendraspididae, 1 Gattung, 5 Arten) undBreitköpfe (Atractaspididac, 2 Gattungen, 4 Arten); die Nattern (Colu-bridao, 70 Gattungen, 270 Arten) haben ihrer Artenzahl entsprechenddie weiteste Verbreitung und fohlen nur im hohen Norden beiderWelten und in einigen Teilen der australischen Region. Die furchtbargiftigen Seeschlangen (Hydrophidae, 12 Gattungen, 50 Arten) endlichbewohnen die warmen bis gemäfsigten Meere östlich von Ostafrika biszur Westküste Amerikas .

IV. Eidechsen (Lacertilia). Von den 28 Familien dieser Reptilien-ordnung haben nur 3 keine Vertreter zwischen den Wendekreisennämlich: die nordamerikanischen Dop>pelschleichen (Trogonophidae

1 Gattung, 1 Art); die östlich-mediterranen Schlangeneidechsen (Ophi-omoridae, 2 Gattungen, 2 Arten) und die wunderbare, neuseeländischeBrückenechse (Rhynchoceplialidae, 1 Gattung, 1 Art). Am weitesten