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3. Jesus und die Ehebrecherin (Joh. 8, 1 —11), folgt hier wie im Cod. Egbertiunmittelbar auf die Samaritana. Das Bild, von Salazaro farbig wiedergegeben,weicht gänzlich ab von demjenigen des Cod. Egberti (Taf. XXXVII) und der Anweisungdes Malerbuches (S. 194), wo die Scene sich vor dem Tempel abspielt und Christusauf die Erde schreibt. Hier sitzt der Herr wieder auf dem Globus, zwei Jüngerhinter sich, unter denen man den ersteren als Petrus erkennen wird. Die Ehe-brecherin steht, beschämt, mit der Gebärde tiefer Erschütterung die Hände flehendemporhaltend, in blauem Untergewand und rotem Mantel vor dem Herrn, währendihre Ankläger, überrascht und enttäuscht sich abwenden.
Die Scene ist vielleicht die wichtigste und interessanteste des ganzen Cyklus.Das Bestreben des Künstlers, die tiefe Bewegung wiederzugeben, welche diese be-rühmte Begegnung in den Beteiligten hervorrief, steht so weit als möglich ab vonden Absichten und der Vortragsweise der gleichzeitigen Byzantiner. Sie allein würdegenügen zu dem Erweise, dass der oder die Maler, welchen die Dekoration unsererHochwände überlassen war, sich im Zusammenhänge mit der altchristlich-römischenKunst bewegten und dass ihre einheimische Übung, statt sich an den Byzantinismusanzulehnen, im Gegensatz zu diesem, jener Richtung treu geblieben war. Zu der-selben Beobachtung führt auch das Studium des Sujets. Die Geschichte der Ehe-brecherin wurde in den byzantinischen Kirchen nicht gelesen, weil man sie alsThema für die an die gesamte Gemeinde gerichtete Predigt nicht für angemessen,unter Umständen sogar für anstöfsig hielt. Der Abschnitt Joh. 8, 1 —11 fehlt daherauch in den zu liturgischen Zwecken benutzten Handschriften des Neuen Testamentes,und es erklärt sich so, wie Luther ihn für apokryph halten konnte. Die Ehe-brecherin vor Christus ist daher auch in der griechischen Kunst nicht gemalt worden:hier ist ihr Auftreten erklärlich, wo nicht byzantinische, sondern abendländischeHände thätig sind. Ich weifs, dass man dieser Ausführung die Thatsache ent-gegenhalten kann, dass das Malerbuch vom Berge Athos (S. 194) die Geschichteder Ehebrecherin, wie sie von Christus losgesprochen wird, enthält. Hier liegtindessen allem Anschein nach einer der Fälle vor, in welchen das Malerbuch abend-ländische Einwirkung erfahren hat. Dass Dionysius von Agrapha occidentalischeQuellen benutzt hat, ist durch Bayet nachgewiesen worden; auch Panselinos, derwahrscheinlich erst um 1528 —1558 gelebt hat, nahm sicher italienische Eindrücke insich auf. *) Dass die spätesten Rezensionen der 'Eou r,vzla rrjc ^uyDaipiy.rfi Vieles ausder italienischen, speziell unteritalienischen Kunst entlehnt, kann heute nicht mehrzweifelhaft sein. Interessant wäre aber der nähere Nachweis, in welchem Umfangdas Eindringen abendländischer Kunstwerke und Künstler in den Zeiten der Kreuz-züge die byzantinische Kunst beeinflusst hat, und welche bis dahin im Orientnicht verwertete Kunstvorstellungen und Sujets ihr durch diese Berührung zugeführtworden sind.
Schulz (S. 179) hat diese Scene gänzlich verkannt, indem er in ihr die Heilungdes Aussätzigen sieht.
4. Heilung des Blindgeborenen am Quell von Siloah (Joh. 9, 1—7; vergl.Marc. 8, 23). Der Herr, von zwei Jüngern gefolgt, schreitet auf den sich ihm entgegen-neigenden Bettler zu, dem er ans Auge greift. Der Blinde stützt die Rechte auf einenStab, seine Linke streckt er Jesus entgegen. Rechts sieht man, wie der Geheilte sich
l ) Vergl. Bayet, Rev. archeol. 1884, 324 f. Ders., Art byzant. 254. Lambros im üap-
vacc -£>£ 1881.