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DIE WANDGEMÄLDE VON S. ANGELO IN FORM1S
die Augen am Brunnen auswäscht. Dieser Brunnen ist, wie schon Schulz anmerkt,ganz antik; Schulz erinnert an Darstellungen auf den alten Münzen von Canossa .Italien bewahrt heute noch zahlreiche Exemplare solcher Phialae. Im Cod. Egbertiv Taf. XL) ist die Scene ähnlich gegeben, aber der cylindrische, aufgemauerte Brunnensteigt über Manneshöhe empor und empfängt nicht, wie hier, sein Wasser aus einemLöwenkopf, sondern von einem auf einer Säule stehenden Pfauen. Die Über-einstimmung unserer Schilderung mit dem Malerbuch (§. 274, S. 195) ist hier be-merkenswert; doch fehlen die an letzter Stelle erwähnten Strafsen von Jerusalem ,welche wir dagegen auf der Reichenau treffen (Taf. X). Von der Inschrift lässt sichentziffern: LVMINE DONAVIT TE QVISINE luce creavit (was metrisch nichtexakt wäre), oder etwas Ähnliches, wie auf der Reichenau, wo wir nur den Resteines Verses haben: (hic) SINE L Y(ce satu)S SPVTO LV(i toque linitus?).
5. Die Auferweckung des Lazarus (Joh. 11, 1—45) stimmt weniger mit Cod.Egberti (Taf. XLI) als mit dem Gemälde der Oberzelle (Taf. 1 —11) überein. DerHerr schreitet hier, gefolgt von mehreren Jüngern, voll Hoheit dem von zwei sichNase und Mund zuhaltenden Männern gehaltenen Sarkophag entgegen, in welchemder Tote, genau wie in den Katakombendarstellungen, in Windeln gewickelt, steckt.Die eine der Schwestern ist Christus zu Füfsen gefallen, die andere ist halbaufgerichtet,während sie auf der Reichenau steht. Von der Inschrift sind leider nur mehr etlicheBuchstaben zu lesen. Die Anweisung des Malerbuches (§. 276, S. 195) ist mehrfachabweichend.
6. Christus mit der Mutter der Zebedaiden (Matth . 20, 20 — 28). Der Herr,hinter welchem wieder ein Gefolge von Aposteln, weist offenbar Jakobus und Jo-hannes zurecht, welche ihm von Petrus zugeführt werden, während die Mutter derZebedaiden sich vor ihm auf die Kniee geworfen hat. Rechts in der Ecke deuteteine Architektur die Stadt an. Schulz hat auch diese Scene missverstanden, indemer sie auf die Ehebrecherin deutet. Von der Inschrift lässt sich erkennen:
FACIT HOC SPES • FIRMA PARENTVM.BVENS MATER ADORAT.
Die Scene ist auch ziemlich genau so in dem Malerbuche (§. 268, S. 193) angegeben.
7. Das Gastmahl in Bethanien (Joh. 12, 1—8). Unter einer von zwei kanneliertenSäulen getragenen Halle steht der mit Trunkgefäfsen und Speisen besetzte Tisch, anwelchem aufser dem Hausherrn (Matth . 26, 6) Christus mit zwei Aposteln sitzt. Zuseinen Füfsen bemerkt man Martha sitzend und auf ihn horchend, während Mariavon der anderen Seite kommend Jesu die Füfse wäscht und mit ihrem langen Haaretrocknet. Das Malerbuch (§. 277, S. 196) beschreibt den Vorgang so, dass Maria vorChristus knieend die Fufswaschung vornimmt und Martha mit einer Schüssel inder Hand erstaunt zusieht; die Egbert-Handschrift (Taf. XLII) kommt dieser Angabenäher. Im Hintergründe links ist Bethanien durch eine Architektur angedeutet.
Die Inschrift ist bis auf wenige Buchstaben .INVLTVM?
unleserlich.
8. Einritt in Jerusalem (Joh. 12, 12—16. Luc. 19, 29—44). Sehr übereinstimmendmit der Anweisung des Malerbuches (§. 278, S. 196) und der Darstellung im Cod.Egberti (Taf. XLIII) sehen wir den Herrn auf dem mit Kleidungsstücken als Schabrackebelegten Eselsfüllen segnend einherreiten, hinter ihm seine Jünger; von der durcheine Architektur angedeuteten Stadt Jerusalem (Joh. 12, 12) her kommen die Scharendes Volkes Jesu entgegen, im Hintergründe die tadelnden Pharisäer (Luc. 19, 39),vorne kleineres Volk und Kinder, welche ihre Kleider auf dem Boden ausbreiten