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DIE WANDGEMÄLDE VON S. ANGELO IN FORMIS
die Tröstung des Herrn durch den Engel, unten Christus, wie er ermunternd unterseine Jünger tritt. Dieses Feld hat sehr gelitten. Beischrift, noch von Schulz gelesen:
CHRISTVS HIC ORAT CALICIS VT TRANSEAT HORA.
2. Der Verrat des Judas (Matth . 26, 48—49). Wiederum zwei Scenen. Rechts(vom Beschauer) Judas in weifsem Unterkleide und wie eine Casula gebildetemMantel vor dem auf einer Sella sitzenden Hohenpriester, den Verrat planend; linksdie dramatisch sehr belebte Geschichte der Gefangennehmung des Herrn, welchemJudas am Busen hängt, während man im Hintergründe das Schwert des hl. Petrusnach dem Ohr des Malchus gezückt sieht.
3. Die Verspottung des Herrn (Matth . 27, 28 — 29), ganz abweichend von demMalerbuch (§. 297, S. 203), wo Christus bereits nackt, nur mit dem roten Mantelbekleidet, auf dem Haupt die Dornenkrone und in der Rechten mit dem Rohreerscheint — sicher eines der spätesten Importe aus der abendländischen Kunst.Hier sehen wir Christus mit langem bis auf die nackten Füfse wallenden Kleide inder Mitte der Scene stehen, ohne Krone oder Rohr; ein Vergleich mit der Dar-stellung im Codex Egberti (Taf. XLVII) und ihren Beischriften lässt uns links vondem Herrn die Pontifices erkennen, denen der rechts von ihm vor den Jüngernstehende Pilatus dieses Bild des Menschen vorstellt, während die Milites sich spottendvor Christus auf die Kniee werfen. Von der Inschrift las Schulz noch:
AVE REX IVDAEORVM.
4. Zwei Scenen: Pilatus wäscht sich die Hände (Luc. 23, 13—16) und dieKreuztragung (Matth . 27, 31 ff.), durchaus abweichend von den Angaben desMalerbuches (§.295, 298, S. 202 f.). Vor einem Gebäude, aus welchem die Gattindes Landpflegers herausschaut, sieht man einen mit Teppichen reich behängtenTisch, hinter welchem Pilatus, mitleidig das Haupt nach dem sein Kreuz schleppendenErlöser hinwendend, steht. Ein Diener bringt ihm Becken und Wasserkrug. Beider Kreuztragung hat, wie auch im Cod. Egberti (Taf. XLIX), der Cyrener Simon,wegen seiner untergeordneten Stellung in kleinerer Gestalt geschildert, bereits denHerrn abgelöst, welcher von dem Haufen der Henkersknechte fortgerissen wird.Das Kreuz hat dieselbe Bildung, wie im Egbert-Codex und auf anderen Denkmälernaus der letzten. Hälfte des ersten Jahrhunderts. Der Vertikalbalken ist um mindestensdreimal so lang als der Querbalken, die Enden beider zeigen leichte Ausladungen.
5. Es folgt eine Scene von doppelt so grofsem Umfange als die übrigen Felder;dieselbe steigt nach unten bis in den Arkadenzwickel hinein, der hier keinen Pro-pheten hat: die Kreuzigung (Matth . 27, 35 — 45). Der Kreuzesstamm schneidet obenmit dem für den Titel bestimmten kleinen Querbalken ab, die bewegungslos aus-gestreckte Gestalt des Heilandes scheint mit Nägeln ans Kreuz geheftet, doch sinddie Spuren derselben nicht erkenntlich. Die Füfse stehen nebeneinander, auf demSuppedaneum; der Schurz fällt flach vom Gürtel zu den Knieen herab, das Hauptist leise geneigt, die Augen offen, der Blick noch sicher. Der Herr ist offenbarnoch lebend gedacht. Keinerlei Krone schmückt das heilige Haupt. Uber denKreuzesarmen sieht man in Rundmedaillons die Allegorien von Sonne und Mond,darüber schweben zwei Engel. Die Schächer fehlen, dagegen erscheinen Maria undJohannes neben dem Crucifixus und rechts vom Kreuze die Schar der trauerndenFrauen, Maria vorab; ihnen geht in reich geschmücktem Gewände ein Krieger mitder Lanze zur Seite (Longinus? ). Links vom Gekreuzigten spielen Soldaten um das