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Amerikanisches Staatensystem.
4. Keligionsvertchiedenheit. — Allgemeine kirchliche Verhältnisse.
Die Vereinigten Staaten sind das Land der unbeschränktesten Tole-ranz: Eine herrschende Kirche existirt daselbst nicht. — Jeder kann seinenGott verehren, wie er will; in so fern aber ist die Toleranz bedingt, als,obschon alle religiösen Sekten geduldet werden und sich frei bewegenkönnen, eö doch absolut nöthig ist, sich zu einer von ihnen zu bekennen,um nicht als Deist oder gar als Atheist angesehen und von der Gesell-schaft geächtet zu werden. Die Juden genießen ganz dieselben Rechte alsdie Christen, ein Gotteslaügner aber würde allgemeinen Abscheu erregen;zwar gibt es religiöse Sekten, deren Glaube dem Deismus ziemlich nahekommt; so lange diese aber ihre Beweisgründe aus der Bibel holen undsich Junger Jesu nennen, duldet man ihre Doktrinen und ihre Gottes-.Verehrung. Die Dogmen aller der verschiedenen Sekten, so wie die tau-send Sekten namentlich aufführen zu wollen, würde ein Ding derUnmöglichkeit sein; sie entstehen, verschwinden, vereinigen und trennensich alle Tage, und haben durchaus nichts Beständiges, als ihren Unbe-stand. Man findet all« Meinungsfarben, von den, sich dem Deismusnahenden Dogmen der Unitarier an, bis zu den oft plumpen Extrava-ganzen des Methodismus herab; und alle Meinungen haben mehr oderweniger Bekenner, die stets neben einander in Frieden leben. Am vor-herrschendsten sind die Episkopalen, die Presbyterianer, die Jndependenten,die Congregationalisten, die Methodisten, Unitarier, Lutheraner, Katholkenund die Wiedertaüfer oder Baptisten. Der Hauptsih aller, von der Hoch-kirche sich lossagenden Sekten ist in den Nen-Englandstaaten, doch findensich auch einige ihrer Kirchen in den mittleren, südlichen und westlichenStaaten zerstreut, in welchem übrigens die Presbyterianer die Haupt-zahl bilden. Die Episkopalen sind die vorherrschende Partei in New-Aork, Pennsylvania, Maryland, Virginia und Soutb-Carolina, und eshat sehr den Anschein, als wollte ihre Kirche auch in einigen GegendenNeü-Englauds um sich greifen. Die Quäcker oder sogenannten „Freünde"sind sehr zahlreich in den mittleren Staaten, wo sie, eben so wie inEuropa, sich durch ihre rasche Bereitwilligkeit zu allen Werken derchristlichen Liebe und des Wohlwollens auszeichnen. Die MethodistenHausen vorzüglich im Innern der südlichen, mittleren und westlichenStaaten, obgleich auch Kirchen und Gemeinden derselben fast durch dieganzen Vereinigten Staaten zerstrcüt sich finden. Die Wiedertäufer,Baptisten, sind am baüfigsten in den westlichen Staaten; die Katholikenam zahlreichsten in Maryland, Kentncky, Obio und Louisiana, so wie inden neuen Staaten und allen großen Städten der Ostküste; sie bildenbereits lüDiöcesen mit einem Erzbischof, 15 Bischöfen und 5 Coadjutors,und ihre Anzahl wird durch die vielen eüropäischen Einwanderer fort-während bedeütend vermehrt. Unter den amerikanische» Sekten selbstgewinnen sie sehr wenig Proselyten; man betrachtet sie als Menschen,die ihre Geistesfreiheit noch nicht errungen haben, und wenn man ihnenauch nichts in den Weg legt, die katholische Kirche in Ausübung ihresKultus so frei ist, wie jede andere Konfession, so trägt doch das Ver-hältniß dieser Kirche zum Auslande viel dazu bei, daß man die Anhän-ger der einfältigsten Sekte schonender behandelt, als die Kathvliken-Jn vielen Staaten wird sogar, so tolerant auch der Amerikaner ist, deinKatholiken der Weg zu öffentlichen Ämtern durch das Volk erschwert»