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Amerikanisches Staatensystem.
ihrer Geschäfte, und ergreifen die erste sich bietende Gelegenheit, derKrämerei wieder zn entsagen. — In den atlantischen Städten folgen dieKrämer oder Detaillisten der Geschäftsrontine der Kaufleute; sie gebenund erhalten eine» Kredit von 8 bis 12 Monaten, besolde» einen Buch-halter und mehrere Commis, und obgleich fast jede Firma mehrere Theil-nehmer hat, so leben sie doch alle mit ihren Familien in einer Art Wohl-stand, die derselben Klasse in Europa beinahe gänzlich fremd ist. Vielebeziehen ihre Waaren direkt aus Europa oder Indien und versehen da-mit wieder die Krämer auf dem Lande, und es gibt vielleicht keinenunter ihnen, der nicht bereit wäre, die Hälfte feines Vermögens an dieErweiterung seiner Geschäfte zu wagen; selten zufrieden mit ihrer gegen-wärtigen Läge, die sie durch jeden günstigen Umstand zn verbessern be-müht sind, werden sie nur durch große Unglüctsfälle und Verluste abge-halten, in die Reihe unternehmender Kanfleüte einzutreten. — In keinemLande der Welt ist übrigens der Kredit so rein persönlich als in denVereinigten Staaten, und Thätigkeit und Verstand reichen dort weiterals Reichthum mit untergeordneten Geschäftötalenten. Ein junger, mitkaufmännischen Talenten ausgestatteter Anfänger findet leicht einen Ge-sellschafter (wenigstens einen sogenannten „stummen Theilnehmer"), wäh-rend der Sohn eines reichen Mannes nnr selten für geschäftötauglichangesehen wird. Zum Reichthum geboren, ist er vielleicht weniger be-müht, sein Vermögen zu vergrößern, als ein armer Anfänger, und manvertraut ihm daher weniger, als einem unternehmenden Kaufmann miteinem geringeren Kapital. Ein Anfänger erhält sogar noch leichter Kre-dit als ein alter Geschäftsmann, es sei denn, daß letzterer Beweise seinerFähigkeiten abgelegt hätte. Der Amerikaner vertraut lieber einem jungenMann, der seinen Ruf durch pünktliche Erfüllung seiner Verpflichtungenzu gründen hat, als einem, der bereits reich ist und sich um die MeinungAnderer nicht zu kümmern braucht. Außerdem unterstützen und benutzendie amerikanischen Kapitalisten, welche sich nicht mit so niederen Procen-ten begnügen als die europäischen, und gern einen Theil ihres Vermö-gens aus neue Unternehmungen wagen, welche ihnen einen größeren Ge-winn versprechen, hierzu gern das Talent ärmerer oder jüngerer Anfänger,mit denen sie in Gesellschaft treten. Daher rcpräsentirt das in denVereinigten Staaten in Umlauf gesetzte Kapital nicht nnr den Werthalles liegenden oder veraüßerlichen Vermögens, sondern auch die mora-lischen Eigenschaften der Kaufleute und die Hülfsquellen des Landes,welche das Genie des Volkes zn entwickeln berufen ist; und die Ziffernaus der Börse bedeüten nicht blos Geld und Güter, sondern repräsentireüauch die Intelligenz. Die Vortheile, welche durch diese Geschäftsmethvdefür das ganze Land entstehen, sind unberechenbar: sie setzt die Kaufleutein den Stand, ihre Geschäfte und Pläne auf Summen auszudehnen,welche ihre eigentlichen Mittel bei weitem übersteigen, gibt jungen An-fängern die zum Handel nöthigen Mittel, und bewirkt das Einströmenfremder Kapitalien nach den amerikanischen Handelsplätzen. — Durchseinen ausgebreiteten Kredit hat der amerikanische Kaufmann ein größe-res Feld für seine Thätigkeit unn seinen Unternehmungsgeist, als jederandere mit demselben Kapital asgerüstete Spekulant, und die Vorzügedes amerikanischen Kreditsystems sind nicht blos im Handel und Fabrik-wesen sichtbar, sondern sie haben auch einen höchst wichtigen moralischenEinfluß auf das Volk. Ohne diesen, auf Persönlichkeit gegründetenKredit, den man übrigens nur in Amerika kennen lernen kann, würden