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Amerikanisches StaatenMein.
hatten und dort erzogen worden waren. Während jeder spanische Aben-teurer sein Glück im Lande machte und Ämter und Ansehen erhielt, warder Kreole in die Dunkelheit des Privatlebens zurückgestoßen oder erhielthöchstens eine der unteren Stellen des Landes. Er mußte selbst in denZweigen des Gewerbfleißes sich vom Spanier den Vorsprung abgewinnenlassen; ja sogar, was mit am meisten erbitterte, in der Gunst der Frauensich nachgesetzt seben, während er dock, als im Lande geboren, sich fürbesser und vornehmer hielt als den Spanier. — Ein tiefer Quell eilige-wurzelten Hasses gegen die in Amerika ansäßigen Spanier erzeügte sich— beide verabscheüien sich bis auf den Tod und mehr als Feinte; denndieser Haß hörte nie auf. Die Kreoleu-Mutter lernte dem Kinde schonim Baker den Spanier hassen; mit der Muttermilch schon saugte derKreole dies Gefühl ein, das ihm später es bedauern ließ, dieß wenigeBlut nicht ausspritzen zu können. Die jnngsn Kreolen hielten sich daherzu ihren Müttern und brachten ihre Zeit im Müisiggang hin, der, ver-bunden mit Unwissenheit, ihrem Hasse desto mehr Nahrung gab. Sowar ein ewiger Kampf in die Familien getreten; eine nnübcrsteiglicheScheidewand hatte sich zwischen den Eingebornen und den eingewanbertenSpaniern gebildet; eine Verachtung des Eroberers gegen den Unterdrück-ten und dieses gegen den erobernden Stamm! — Unter solchen Umstän-den war die endliche Trennung der Kolonien vom Mutterlands ein un-vermeidliches, natürliches, nothwendiges und selbst wünschenswerthes Er-eignis;, aber so groß ist die Macht politischer Institutionen und Gewohn-heiten, und so stark und mächtig war hier vorzüglich der beständigeEinfluß der Geistlichkeit, insbesondere der Jesuiten, die allein von Allennoch Verdienst um die Bildung der Indianer hatten, und in dem allge-meinen Sittenverderben allein noch aüßere Sittlichkeit zeigten, daß manin drei Jahrhunderten keinen Versuch machte, das drückende Joch abzn-schütteln oder sonst ein Recht zu erlangen. Erst nach Entfernung derJesuiten aus dem Lande bildeten sich gegen Ende des achtzehnten Jahr-hunderts in Caracas zwei Verschwörungen, die sogleich unterdrückt wur-den; desgleichen 178» in derAndiencia von Lima, der Aufstand des Ka-ziken Tupac Amaru, der erst nach drei Jahren gedämpft wurde; einanderer in der Provinz Socorro, im N. von Peru, der ebenfalls schnellbeseitigt wurde und blutig endete; später noch trat ein Jüngling, Na-rino, der 182» als Senator seines freien Vaterlandes Columbia starb,gegen Spanien auf, und zuletzt Don Manuel Gual, der vom britischenMiuisterio unterstützt wurde. — Endlich fachte ein unvorhergesehenesEreignis; die glühende Asche der Unzufriedenheit zur vollen Flamme desAufruhrs an. — Der Bayonner Vertrag von I8V8 und die BesitznahmeSpaniens durch eine französische Armee erregte auf der Halbinsel einenSchrei des Unwillens, den nur die bebrütende Waffenmacht momentanniederzudrücken vermochte. — Als die Kunde dieses gewaltsamen Ereig-nisses »ach Amerika kam, wurden dadurch die spanischen Kolonien in eintsonderbare und kritische Lage versetzt; sie fühlten das Empörende in Na-poleons Schritt, zugleich aber ahneten sie entfernt, wie nützlich vielleichtdies Ereigniß für sie und ihre Freiheit werden könne. Man erklärte siwvorläufig und auf alle Fälle gegen Napoleon und für Ferdinand VU,und erst später, nachdem man Napoleon Widerstand geleistet und Ame-rika seine Kraft kennen gelernt hatte, wurde den Kolonien ihre Lag-klarer, und eingedenk der vielen, unter Spaniens Scepter erlittenenDrangsale und der wahren Interessen des Landes, wollte man doch >C*