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6 (1844) Das amerikanische Staatensystem, das mohammedanische Staatensystem, die christlichen Staaten von Abyssinien, das buddhaistische Staatensystem und die Heidenwelt : nach den geographisch-statistischen Hauptverhältnissen / von Dr. Heinrich Berghaus
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Amerika.

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im Osten eine feuchte aber gesunde Luft; Regen und Gewitter sind am laPlatahäufig, und Stürme toben zwar selten, aber mit unglaublicher Heftigkeit. ImW.ist die Luft so trocken, das; sie todte thierischeKörper zuMumien macht.Der Nordwind bringt Hifie, der seltener wehende Südwind Kälte, undam Fuß der Anden weht zu Zeiten der erstickende heiße Sondawind, derdie Luft durch Staubwolken verfinstert, und dessen Wirkungen man sorg-fältig meidet, oder der Pampero, der mit Gewalt von den Gebirgenherabstürzt und durch die Ebenen stürmt. Dom Oktober an herrscht gewöhn-lich Dürre und Trockenheit, die oft 3 — 4 Monate anhält, und denHeerden der Pampas in manchen Jahren völlige Vernichtung droht.

Im ganzen ist das Land sehr unwirtblich; Mineralien fehlen fastgänzlich; Lteine sind eine Seltenheit; Salz aber wird in Menge ge-sunden. DaS Gros des Landes ist arm an Vegetabilien', und bestehtursprünglich aus bloßen Viehweiden, und salzigen Grasmarschen, mit Schilfund riesigen Disteln. Alle eürvpäischen Getreidearten hat man akklimatisirtund sie gedeihen herrlich, namentlich Weizen und Gerste; Wein wirdam Fuß der Anden gebaut, besonders in Mendoza, Mais wird überallgewonnen, und in den nördlichen Theilen Baumwolle, Tabak, Reis,Indigo u. s. w. Reicher ist das Land an Thieren, besonders an Pferdenund Hornvieh, und die Laudseen und Flüsse wimmeln von Geflügelund Fischen.

Die Einwohner des Landes sind spanische Kreolen, Mulatten, Me-stizen, Neger und civilisirte Indianer, und deren Zahl beläuft sich ge-genwärtig auf 2,379,888 Seelen, die Volksdichtigkeit mithin, den Flä-chenraum zu 4l,26l> mM. angenommen, auf 57 Seelen. Der Nassen-vertheiluug nach gehörten von dieser 5ü Procent der indianischen, 15der Weißen, 3 der afrikanischen und 32 der gemischten Nasse an, undunter den weißen befinden steh gegenwärtig viele Anglo-Amerikaner,Engländer, Franzosen und Deutsche. — Die Bewohner sind im Allge-meinen indolent, dabei nicht ohne Leidenschaftlichkeit, was auch die Re-volution hier so blutig und langdauernd gemacht; unter ihnen bildendie Bewohner der Pampas, die Günchos oder Hirten, die von den Spa-niern und oft von sehr edlen Familien abstammen und oft auch wahr-haft edle Gefühle zeigen, einen eigenthümlichen Menschenschlag. Sieleben einzeln und zerstreüt in wahrhaft patriarchalischem Zustande undvöllig unabhängig, auf ihren Estancias oder Höfen, die ein Gebiet vonnicht selten einigen Stunden Umfang haben, und oft Meilenweit vonaller menschlichen Gesellschaft entfernt liegen. Zu halb Wilden gewor-den, die fast einzig und allein von Fleisch leben, wohnen sie in elendenHütten, kleiden sich in Leder und wollene Decken, Ponchos, und ma-chen sich aus Knochen ihr ganzes armseliges Hausgeräth. Sie bringenihre Zeit in Wartung ihrer ungeheüren Heerden, im völligsten Müßig-gänge hin, sind roh und unempfindlich gegen Alles, außer in ihrer Nach-sucht, und stehlen und morden mit der größten Gleichgültigkeit. Sielieben die Freiheit; haben eine außerordentliche Fertigkeit im Reiten,und halten es für eines Mannes unwürdig, zu Fuß zu gehen; im Ein-fängen wilder Thiere und ihrer Heerden mit langen Schlingen, Lazvsgenannt, sind sie ungeMein geschickt; und mit nichts als dem Lazos undeinem Messer bewaffnet, im Kriege die furchtbarsten Gegner. — Vieh-zucht ist die Hauptbeschäftigung der Bewohner. Millionen Rinder undPferde bedeckten die Pampas, wo sie nur der Häute, Hörner und desTalges wegen getödtet werden. Der Ackerbau ist unbedeütend, außer