Buch 
6 (1844) Das amerikanische Staatensystem, das mohammedanische Staatensystem, die christlichen Staaten von Abyssinien, das buddhaistische Staatensystem und die Heidenwelt : nach den geographisch-statistischen Hauptverhältnissen / von Dr. Heinrich Berghaus
Entstehung
Seite
15
JPEG-Download
 

Das türkische Reich.

15

der Haüte-Gewinnung wegen» womit ein bedeutender Handel nach Sy-rien getrieben wird. Das edelste Thier, dasjenige, auf welches die mvr-genländischen Völker die größte Sorgfalt verwenden, ist das Pferd, dasschon in der europäischen Türkei, in den Donau-Ländern, vortrefflich istund zahlreich gezogen wird, aber noch weit zurücksteht hinter dem ara-bischen Pferde, der berühmtesten aller Rassen, die in den sämmtlichen. asiatischen und afrikanischen Ländern des Reichs, auch ziemlich weit hinin den eüropäischen, verbreitet ist, und die inheimische Nasse von Klein-asien, Armenien und Kurdistan ganz oder doch fast ganz verdrängt hat.Esel und Manlthiere gibt es in den Äebirgsländern des türkischen Reichsüberall, während das Kameel vorzugsweise in Arabien und den afrika-nischen Ländern zu Hause ist, obwohl es sich auch schon auf den Plateauxvon Syrien, Armenien und Kleinasien, ja selbst hin und wieder in deneüropäischen Ländern findet. Des Haares wegen, das einen Handels-artikel bildet, werden die Kameele der zuletzt genannten Bergländer mehrgeschätzt, als die der arabisch-afrikanischen Wüsteneien, weil das kühlereKlima jener Landstriche ein längeres und weicheres Haar gibt, als dasheiße Klima der zuletzt genannten Gegenden. Zum Viehfutter dient,wie schon erwähnt wurde, die Gerste und ihr Stroh, sowie Weizenftroh,aber man baut auch Futterkraüter, namentlich Luzerne. Dieß gilt jedochnur von den seßhaften Viehzüchtern; bei den Nomaden bleibt das ViehJahr aus Jahr ein, Sommers und Winters, im Freien, und muß sich^ sein Futter oft unter dem tiefsten Schnee mühsam hervorsuchen. DieSchweinezucht in Serbien und den angrenzenden Ländern stützt sich aufden Reichthum der daselbst vorhandenen Eichenwälder. Die Bienenzuchtist ein höchst wichtiger Zweig der physischen Kultur in fast allen Ländernder eüropäischen Türkei, von der Moldau an bis an den Bosphorus,und darüber hinaus, längs fast sämmtlicher Küsten Kleinasiens, wo sieinsbesondere bei den Hasan blüht, weil die Bienen hier die Blumen deslitiostostensti'um ziontieum finden. Eben so wichtig, wenn nicht wichti-ger, ist die Seidenzucht, die sowohl in Ägypten und in Syrien am Liba-non, als auch in Kleinasien, und hier vornehmlich bei Brussa und inungefähr zwanzig Dörfern seiner Umgebungen betrieben wird. Die Seidevon Brussa ist im ganzen Orient berühmt, aber sie erreicht doch nochnicht die Güte der in der eüropäischen Türkei gewonnenen, wo Adriano-pel, Philipoppel und Turnowo, so wie Albanien wegen ihrer Seidenzuchtbekannt sind. Die Jagd ist eine nicht unergiebige Beschäftigung derVölkerschaften des türkischen Reichs, denn sie liefert Huuderttausendevon Hasen-, Fuchs-, Marder-, Biber- und andern Fellen in den aus-wärtigen Handel. Der Biber findet sich hauptsächlich an den Ufern desAsil-Jrmak und anderer Flüsse der kleinasiatischen Halbinsel. Dermschfang wird vornehmlich an den Küsten betrieben, in den Flüssenfindet er wenig oder gar nicht statt. Eine eigenthümliche BeschäftigungEndlich ist die des Einsammelns von Schwämmen an den kleinasiatischenGestaden des mittelländischen und ägeischen Meeres. Sie sind ein wich-k>ger Handelsartikel für Smyrna. Berühmt sind die Bewohner derkleinen Insel Symi wegen der Kühnheit, womit sie allen Gefahre»"vtzen, die mit dem Einsammeln der den Schwamm gebenden, schleimi-gen Substanzen vom Grunde des Meeres verbunden sind.

Was endlich den dritten Zweig der physischen Kultur, die Gewin-nung der Mineral-Schätze anbelangt, so liegt der Bergbau mehr als