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6 (1844) Das amerikanische Staatensystem, das mohammedanische Staatensystem, die christlichen Staaten von Abyssinien, das buddhaistische Staatensystem und die Heidenwelt : nach den geographisch-statistischen Hauptverhältnissen / von Dr. Heinrich Berghaus
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Mohammedanisches Siaatensystem.

von Beispielen auszuweisen hat. Das merkwürdigste Beispiel dieser Artist unter unsern Augen mit dem Statthalter von Ägypten vor sich ge-gangen. Bei dem Despotismus, der die mohammedanische Staatspraxischarakterisirt, bediente sich die oberste Regierung gewöhnlich eines sehreinfachen Mittels, um einen in Empörung ausgebrochenen Provinzial-Staithalter unschädlich zu mache». Sie verodnete die Absetzung des un-getreuen Pascha, ernannte^einen Andern in seine Stelle, und schicktediesen, mit einer seidenen Schnur für den Abtrünnigen versehen, in dieProvinz, d. h. mit dem Auftrage, den Vorgänger erdrosseln zu lassen.Dieser kurze Prozeß, der nur ein Ausfluß despotischer Gewalt ist, hatjegliche Empörung der Provinzial-Gouverneure rasch unterdrückt; aberbei'm Statthalter von Ägypten war er nicht anwendbar. Die hohe Pforte,wie man die oberste Regierung zu Konstantinopel nach dem Hauptthoredes Serails, oder großherrlichen Palastes, zu nennen pflegt, halte sichdiesen energischen und kraftvollen Mann über den Kopf wachsen lassen;zu viel Vertrauen ihm schenkend, zu nachsichtig, ja nachlässig gegen seineUnternehmungen, ließ sie es geschehen, daß er seinen Wirkungskreisimmer mehr erweiterte,, und er endlich eine Stufe erreichte, auf der ereinen Staat im Staate bildete, mächtig genug, die Existenz seines Herrnnicht allein zu bedrohen, sondern wirklich anf's Spiel zu setzen. In die-sem Falle genügte das altherkömmliche, heimliche Mittel der seidenenSchnur nicht, es genügte nicht einmal die offenbare Gewalt der Waffen,um diesen Rebellen unschädlich zu machen, oder in die Schranken deSgesetzlichen Gehorsams zurückzuführen. Schon stand er mit einer wohldisciplinirten, eüropäisch organisirten Heereömacht, nachdem er die Trup-pen des Großherrn in die Flucht geschlagen hatte, nur noch wenigeTagemärsche von Konstantinopel, als eine schnell herbeigeeilte russischeArmee ihm Einhalt that, und für dies Mal noch, ich will nicht sagen,das türkische Reich, doch die regierende Familie vvm Untergänge gerettetwurde. In diesem, auch später noch fortgesetzten Kampfe der hohe»Pforte mir ihrem rebellischen Statthalter hat sich die Schwäche des tür-kischen Reichs, das Zusammensinken dieses halbmodernden Leichnams vonStaatskörper anf's Deütlichste kund gegeben. Unfähig, den Empörerselbst zu bändigen, hat die hohe Pforte die Hülfe der christlichen Staa-ten in Anspruch nehmen müssen, eine Selbstverlaiignung, die an's Un-glaubliche grenzt, wenn man erwägt, daß ein Christ in den Augen desMuselmanns nicht besser als ein Hund ist, und die nur in der aller-dringendsten Noth ihre Erklärung findet. Durch die bewaffnete Vernsttt-lung der christlichen Großmächte ist es gelungen, den Rebellen in seineSchranken zu verweisen, freilich mit Zugeständnissen Seitens der hohenPforte, die der Staatöeinheit auch ferner noch Gefahr drohen; jeneiniktelung ist nur ein Palliativ-Mittel gewesen, das den Türken-Staalvon seiner Zertrümmerung nicht erretten kann; im Gegentheil hatzur Schwächung des etwa noch gebliebenen Überrestes moralischer Krastder hohen Pforte beigetragen; denn kein ächter Muselmann wird es «lssvergeben, daß sie die Unterstützung der gehaßten, verachteten Christe"nachgesucht, und sich ihrer, in seinen Augen unreinen Hände bedient h«"eiuen rechtgläubigen Bruder zu strafen.

Der despotische Charakter der türkischen und aller mohammedanischeRegierungen, die geringe Einheit in der Organisation aller morg^la ^dischen Staaten, die selbst in der geistlichen Hierarchie nur schwach a 'gedeütet ist, der völlige Mangel an Schutz, den das bedrückte Individuu