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6 (1844) Das amerikanische Staatensystem, das mohammedanische Staatensystem, die christlichen Staaten von Abyssinien, das buddhaistische Staatensystem und die Heidenwelt : nach den geographisch-statistischen Hauptverhältnissen / von Dr. Heinrich Berghaus
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Daö persisch« Reich.

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S. Die Kultur des Volks.

Die physische Kultur stützt sich auch in Persien, wie iu allenStaaten Westasiens, auf das Vorhandensein von seßhaften und nomadi-sirenden Völkern. Der Ackerbau stützt sich in ganz Persien auf dieFähigkeit, den Boden, welcher bestellt werden soll, bewässern zu können,und dadurch keimfähig und fruchtbar zu machen. Ohne diese Bewässe-rung ist keine Ernte möglich, und sie spielt demgemäß eine^ so wichtigeRolle in dem ganzen Acterbausysteme, daß die Menge Wayers, welchezur Befruchtung des Bodens erforderlich ist, zum Maß der Felder dient,und derjenige, welcher ein bis dahin unfruchtbares Feld auf diese WeiseUrbar macht, das vollständige Besitzrecht erlangt, in sofern nicht ein An-derer ein älteres Recht geltend zu machen im Stande ist.

Die Arbeiten, sagt Hagemeister, dem wir in diesen Abschnitten meistwörtlich folgen, — die Arbeiten, welche in Persien z»r Bewässerung desBodens ausgeführt worden sind, sind gigantisch zu nennen, wenn gleichsie nicht so in die Augen fallen, als in anderen mohammedanischen Län-dern, namentlich in Cbiwa. Da daö Wasser knapp ist, so muß manallen nur denkbaren Vortheil daraus ziehen. Es kommt demgemäßdarauf an, es zu sammeln und es mit dem möglichst geringsten Verlust,der durch Versickernng oder Verdampfung entstehen kann, auf die Felderzu leiten. Darum bestehen die Bewässerungs-Kauäle in Persien meistensaus unterirdischen Wasserleitungen, die das auf den Höhen gesammelteWasser nach den Ebenen führen. Viele dieser Leitungen sind in Folgeder bürgerlichen Unruhen, von denen Persien fast keinen Augenblick ver-schont bleibt, in Verfall gekommen, und die Felder demgemäß von denAckerbauern verlassen worden. Die Unterhaltung der Hauptkanäle istSache der Regierung, die von der Verpachtung des Wassers bedeutendeEinkünfte bezieht. Vermöge dieses Befruchtungsmediums gewinnt manU' Persien eine 12 — I8fältige Frucht Weizen, ja in einigen sehr frucht-daren Gegenden soll der Ertrag auf daö Sttste bis 4vste Korn gesteigertwerden können. Und obwohl viele Quellen versiegt sind und der AnbauAusschließlich von dem Wasservorrath abhängt, so leidet es doch keinenZweifel, daß eine weit größere Fläche unter Kultur gesetzt werden kann,*"s ihr gegenwärtig gewidmet ist. Der Mangel aii Kommunikationenu»d die Schwierigkeiten, die mit dem Transport verbunden sind, stellenEntwicklung des Ackerbaus in Persien, wie im ganzen Morgenlante,^ unübersteiglichsten Hindernisse entgsgen. Das ist eine der Haupt-Lftachen, warum man den größten Überfluß neben dem tiefsten Elendeuudet, und darin liegt auch die Ursache, welche eine örtliche Hungersnvth.häufig macht. Diese Verhältnisse hindern den Handelsstand in Ge-^nde zu spekuliren und sie sind gewiß einer der Gründe, welcher die^swohlier Westasiens keine Kvrnmagazine anlegen läßt. Die Sorglosig-ein Hauptzug im Charakter dieser Völker, der Mangel an Sicherheit^ alles Eigenthum, und die unaufhörlichen Neckereien der despotischen^glerungen des Orients tragen natürlicher Weise das Ihrige zu dieser^ Tatsache bei. Dazu kommt noch, daß alle öffentlichen Abgaben auf demUn, und den landwirthschaftlichen Gewerben überhaupt lasten; dieUnk drückender sind, als die Grundsteuer vom Roherträge der FelderHz, ."^.ch einer Abschätzung erhoben werden, die nichts weniger als auf"lmfvrmigkeit und Gerechtigkeit basirt ist.

Wie in der Türkei, so ist auch im persischen Reiche und in allen

^»ghau«, B». vi. r. A»th. 6