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6 (1844) Das amerikanische Staatensystem, das mohammedanische Staatensystem, die christlichen Staaten von Abyssinien, das buddhaistische Staatensystem und die Heidenwelt : nach den geographisch-statistischen Hauptverhältnissen / von Dr. Heinrich Berghaus
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90
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Mohammedanisches Staatensystem.

glieder des Klerus halten es nicht unter ihrer Würde, Handelsgeschäftezu machen; aber es ist sehr schwer und selbst gewagt, mit den PersernHandel zu treiben, denn sie sind nichts weniger als Leute von Wort.Der größte Handelsplatz im Inner» des Reichs ist Jßfahan, wo diemeisten Kapitalien aufgehäuft sind und fortwährend Geschäfte mit altenGegenden des Reichs unterhalten werden. Schiras ist nur ein« Depen-denz von Jßfahan in Bezug auf den indischen Handel. Messen, Jahr-märkte sind in ganz Persien fast ganz überflüssig, denn jede Stadt, jajedes Dorf hat seinen wvhlassortinen Basar, der in den großen Stättenalle eine Manchsaltigkeit der Waaren und einen Luxus entwickelt, wieman ihn in der Türkei nur zu Konstantinopel erblickt; und die Maga-zine der größten Städte in der Türkei, wie z. B. Erserum, können sichnicht mit denen einer persischen Mittelstadt, z. B. Choi in Aserbeidschan,messen.

Haben wir in dem Vorhergehenden durch Hagemeisters geistreicheSchilderungen das persische Volk in seiner physischen und technischenKultur von einer günstigen Seite kennen gelernt, so stellt sich sein Bildganz anders dar, wenn wir seine sittliche und geistige Bildungiu's Auge fassen. In dieser Beziehung hat I. v. Hammer die Urtheileunbefangener Reisenden zusammengestellt, die wir hier im Auszuge wie-derholen wollen. Ein Engländer unter diesen Reisenden bemerkt: „Mannennt die Perser mit Recht die Franzosen des Orients, sie sind ein ge-schwätziges, komplimentirendes und unaufrichtiges Volk, aber in ihrenManieren angenehm und lebhaft.« Gegen diese Vergleichung der Perserund Franzosen , die einer der letzten, selbst anf's Tapet gebracht hat,prvtestirt ein anderer Franzmann, indem er dadurch die Nationaleitelkeitverletzt suhlt, sehr lebhaft; aber er muß die Bemerkungen des Englän-ders, so weit sie die Perser für sich angehen, bestätigen. Man muß,sagt er, gestehen, daß unter dem angenehmsten und verführerischstenAüßern die Perser weder freimüthig noch rechtlich sind. Sie sind arg-listig, verstellt, prahlerisch und Lügner in einem Grade, daß man ver-sucht sein möchte, zu glauben, daß die Lüge einen wesentlichen Theilihrer Erziehung ausmacht. In den ernsten Geschäften des Lebens, w>ein dem gewöhnlichen gesellschaftlichen Umgänge, scheinen sie die bestimm-teste Abneigung wider die Wahrheit zu hegen, und der Fremde, der gut-müthig .genug wäre, ihren Beihcücrungen und Schwüren Glauben beiz«-,messen, würde unfehlbar, und ohne sich dessen zn versehen, zum Spielwerkeder falschesten und arglistigsten Menschen dienen. Um sich nicht ihreVerachtung zuzuziehen, muß man nie von ihren Reden vollkommen über-zeugt scheinen, sondern immer eine sehr entschieden? Miene von Zweifel-und selbst Überlegenheit annehmen, als das einzige Mittel, die Oberhandzu behalten. Niedrig und kriechend von Natur bei allen, von denen i"einen Vortheil zu ziehen hoffen, gewähren sie auch dann alles, was ma"will. Die religiöse Gleißnerei, die Habsucht und der Geiz sind noch Züge-lne zur Vollendung ihres Charaktergemäldes gehören. In einigen Pro-vinzen sind sie feige, faul und wenig tauglich zum Kriege. Nie könnenLeute gleichgültiger gegen eine Beschimpfung, »»fühlbarer für Schlägesein; unter dem Stock zerblaüt, scheinen sie nicht einmal darauf Acht ä"haben. Sie boxen sich unter sich, wie die Engländer, suchen sichBart auszureißen und der Besiegte zieht sich weinend zurück. Auf eineandern Seite muß man auch wieder gerecht gegen sie seiti: die Perl-sind voll von Geist und Verstand, sie nehmen mit Leichtigkeit und ohn*