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6 (1844) Das amerikanische Staatensystem, das mohammedanische Staatensystem, die christlichen Staaten von Abyssinien, das buddhaistische Staatensystem und die Heidenwelt : nach den geographisch-statistischen Hauptverhältnissen / von Dr. Heinrich Berghaus
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91
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Das persische Reich.

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den geringsten Gewistenszweifel die fremden Gebrauche an, welche ihnenvor den eigenen den Vorzug zu verdienen scheinen, und ohne den unge-heuern Raum, der sie von Europa scheidet, würden sie schnell civilisirtwerden können. Doch verdienen sie noch den Vorwurf anderer Laster.Das schwerste ist ihre Gleichgültigkeit gegen ein Geschlecht, welches denZauber und das Glück unseres Daseins ausmacht. Die Frauen sind inden Augen dieser grvbartigen Menschen nur Wesen, die einzig zu ihremsinnlichen Vergnügen erschaffen sind. Aus einer Seite durch die Erzie-hung und Gewohnheiten wider die Qualen und Widerwärtigkeiten derLiebe verwahrt, und auf der andern Seite durch ihre ReligionsvornrtheileUnfähig gemacht, den Zauber und den Genuß derselben zu würdigen,haben sie das schönste der Gefühle zu dem Grabe herabgewürdigt, esihren Lotterbuben vorzubehalten, und es in ein widernatürliches Ver-brechen zu verwandeln. Mehrere ihrer erotischen Gedichte beziehen sichblos auf diese unbegreifliche viehische Versunkenhcit, und ihre moralischeVerderbtheit ist so groß, daß, fern davon, ei» Geheimniß von solchenLiebeshändeln zu machen, sie sich dieselben vielmehr zur Ehre rechnen,und öffentlich von ihren Lotterbuben, als von ihren Buhlgenvssen spre-chen. Früh durch die Hitze des Himmelsstrichs mnd durch vorzeitige Ehenentnervt, theilen die reichen und mächtigen Perser ihr Leben zwischen demMüssiggang, der Ausschweifung und Weichlichkeit. Die Perser habensich den schrecklichen Ruhm erworben, eine Operation erfunden zu haben,welche, indem sie geschlechtslose Wesen erzeugt, dem weiblichen Geschlechtdie schauerlichsten Wächter seht.

Ein anderer französischer Reisender zieht eine Parallele zwischen demPerser und Türken, die, nach dem was wir weiter oben im Abschnittvorn türkischen Reiche eingeschaltet, nur zum Vortheil des Osmanenausfallen konnte. Der Perser, sagt dieser Reisende, hat nur das Aüßereder Güte, mehr darf man von ihm nicht erwarten. Er mag eüch trauenoder mißtrauen, eüch lieben oder hassen, von eüch etwas hoffen oderfürchten, so wird er eüch zu betrügen suchen; er wird nie sein Versprechenhalten, und ihr werdet immer der Betrogene sein. Der Türke dagegendient im Augenblicke, und ohne etwas zu sagen. Der Perser sprichtviel, erklärt init Emphase, daß er handeln wird, und thut fast niemals,,was er ankündigt. Er unterscheidet sich vom Türken durch liberalereIdeen, durch den Geist der Neügierde und die Liebe der Nettigkeiten.Er ist begeistert bei Künsten und Wissenschaften; er liebt sich zu unter-richten, die Fremden über die Sitten und Gebraüche ihres Landes, überdie Wissenschaften und Künste, die dort getrieben werden, zu befragen;

erkennt in ihnen die Überlegenheit der Einsichten, welche ihn dieselbenHu. schützen bewegt, wiewobl sie von einer andern Religion sind, als die'einige. Er ist aberglaübisch, ohne Religion zu haben, und duldsamer,wiewohl den kleinlichen Übungen des Kultus mehr zugethan, als der<»rke. Die kriegerische Tugend der Perser hindert sie nicht, gleichgültigUnd grausam zu sein; der Türke hat Gefühl, das vom Herzen kommt,und oft ^s Schicksal Seinesgleichen erleichtert. Des Persers Gefühl'cht nur im Kopfe, seine Seele ist von der größten Trockenheit, selten?>cht er dem Unglücklichen bülfreiche Hand, manchmal würdigt er den-Men nicht einmal eines Blicks. In den Handelsverbindungen ist derl urke rechtschaffen und bricht selten sein Wort. Der Perser bandelt mit""em Eidschwur, wie mit einer Waare. Die alten Perser, so berichten>ns Plato und Herodot, Plutarch und Xenophon, haßten die Lüge und