Fürstenthum Herat.
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den sie von den Tadschiks, als Pächtern, bestellen lassen.' In Seistan»omadisiren auch Bilutschen. Die persische Sprache ist allgemein vor-waltend, doch reden die Afghanen auch ihre Muttersprache, das Puschtn,das, wie das Persische, ein Glied in der langen Kette der indo-germa-nischen Sprachen bildet. Die Tadschiks von Herat theilen die zahlreichenLaster und die wenigen Tugenden ihrer Bruder in Persien. Sehr vor-theilhaft unterscheiden sich von ihnen die Afghanen, die man, im Ver-hältniß zu jenen, ein tüchtiges, ein ehrenwerthes Volk nennen kann,welches auf der Stufenleiter der sittlichen Kultur der mvrgenländischenVolker unmittelbar hinter den Türken, d. h. Osmanen folgt, ja diese inmancher Beziehung übertrifft. Dies gilt namentlich von dem Verhältnißdes männlichen Geschlechts zum weiblichen; zärtliche Gefühle, auf gegen-seitige Achtung gestützt, wahre Liebe ist unter den Afghanen keine selteneErscheinung; dabei sind sie außerordentlich gastfrei, eine Tugend, die je-doch leider wiederum eine Beschränkung dadurch erleidet, daß sie nurUnter dem Zelte geübt wird. Wild von Gemüth ist der Afghane, eintüchtiger Kriegsmann, aber nie zeigt er sich grausam, wenn er gleich,als Nomade, fleißig auf Raub und Plünderung auszieht. Die Bewoh-Uer des Fürstenthnms Herat sind sämmtlich Schiiten, und die Geistlichkeithat nie eine große Gewalt über sie ausgeübt. Fanatismus ist unterden Afghanen fast unbekannt, und Toleranz gegen Christen ein hervor-stechender Zug.
In der technischen Kultur stehen die Bewohner von Herat keiner dergrößten Gewerbstatten in Persien nach. In der Wollenmanufaktur zeich-net sich die Teppichweberei ganz besonders aus, und die Seiden-Manu-faktnr blüht seit alten Zeiten und hat sich von hier aus nach Kabulausgedehnt. Herat ist auch wegen seiner blanken Waffen berühmt. Dieeuropäischen Manufaktur-Waaren haben ihren Weg auch nach Heratgefunden, indem sie dasselbe von Westen her durch Persien erreichen;eben diese treffen hier auch mit indischen zusammen, namentlich mitBaumwollen- und Seidenzeügen. Russisches Leder und Pelzwerk findet>u Herat einen guten Markt, es gelangt theils vvm Kaspi-See, theilsaber über Buchara dahin. Dasselbe gilt vom russischen Eisen und dendaraus und andern Metallen verfertigten Waaren. Herat steht mitPersien durch die Karavanenstraßen nach Meschhed nnd Jesd in Verbin-dung, mit Indien durch die Straße nach Kandahar, indem sich diesemcr spaltet, und entweder über Kabul zieht, oder direkt zum mittlern>r»dns nach Kahiri, oder endlich zum untern Indus nach Schikapur.Herat steht in Verkehr mit Buchara auf einer direkten Straße, die in-deß das von den räuberischen Hezarehs bewohnte Land durchschneidet;daher ziehen es die Karavanen vor über Meschhed zu gehen. Das Ka-'^eel ist fast ausschließlich das Lastthier, welches auf den das Fürsten--bum Herat durchschneidenden Handelsstraßen gebraucht wird. Aber derHandel, den dieses Land treibt, ist nicht bedeütend, es ist unter derHerrschaft der Afghanen und durch unaufhörliche Kämpfe der um dieObergewalt streitenden Parteien verarmt. Der Afghane liebt den PutzL"d Luxus nicht, wie sein westlicher Nachbar, der Perser, der gemeine^'ann trägt nur Baumwollenkleider und den Schafpelz; und nur daringleichen sich beide Völker, daß die Wohlhabenden und Reichen unter-dne» einen großen Luxus mit ihrer Dienerschaft treiben; die Zahl der-I^lben gibt, wie fast bei allen Völkern Asiens, den Maßstab der Wohl-»dubenheit. In ihrem häuslichen Leben stehen die Afghanen den Persern