Buch 
6 (1844) Das amerikanische Staatensystem, das mohammedanische Staatensystem, die christlichen Staaten von Abyssinien, das buddhaistische Staatensystem und die Heidenwelt : nach den geographisch-statistischen Hauptverhältnissen / von Dr. Heinrich Berghaus
Entstehung
Seite
171
JPEG-Download
 

von Abyssinien.

171

Seine Bekenner leben friedlich mit den Christen zusammen, was abernicht von den zahlreichen Juden gesagt werden kann, die hier Falaschosheißen, und von denen die Christen gehaßt und verachtet werden. Au-ßerdem gibt es in Amhara und Schoa die Neligionssekten der GamantUnd Waitos, die von den christlichen und mohammedanischen Abyssiniernals Heiden betrachtet werden. Die Gamant sprechen die Falascha- oderJndensprache, die Wairos dagegen das Amharische. Die Gallas sindHeiden.

Die physische sowohl als technische, sittliche und geistige Kultur stehtbei den Abyssiniern auf einer sehr niedrigen Stufe der Entwickelung;früher war dieß anders, aber in Folge schwacher Regierungen, eines be-ständigen Kampfes der Vornehmen des Landes um die Herrschaft undder daraus entsprungenen Unruhen und Bürgerkriege ist das Volk sotief gesunken, daß Rüppell, der eben so genaue als unparteiische Be-obachter, bemerkt, er müsse gestehen, daß bei dem jetzigen gesetzlosen Zu-stande des ganzen Landes nicht der geringste Hoffnungsstrahl einer sitt-lichen Regenerirung derNakion leuchte, und daß der vollkommene Mangeleiner kräftigen Regierung das Hauptbinderniß dabei sei, und um soschwerer zu beseitigen sein werde, da gegenwärtig auch nicht eine einzigeFraktion des Volks an die Herstellung einer solchen denke. Die Ge-schichte der letzten sechszig Jahre, fährt Rüppell fort, zeigt eine vollkom-mene politische Auflösung des Landes, und dreht sich blos um die Haüpt-lmge, welche in den verschiedenen Provinzen, als gleichsam von einanderUnabhängigen Ttaaten, sich zu unumschränkten Herrschern auswarfen,durch List und Kühnheit ihre Nebenbuhler verdrängten, und dann mei-st'ns wieder selbst durch die Treulosigkeit ihre» Verbündeten gestürzt wur-den. So herrschen denn fortwährend Bürgerkriege, welche in der Regelkeinen andern Zweck haben, als einen durch Versprechungen und Eid-schwüre eingeschläferten Gegner zu verdrängen, und die Bewohner eini-ger Distrikte, die in einem kurzen Frieden etwas Eigenthum erlangtbaden, auszuplündern. Die nothwendige Folge davon ist eine stets zu-ueomende allgemeine Verarmung: das Grundeigenthum hat beinahe garkeinen Werth mehr; der Ackerbau wird immer mehr vernachlässigt; dieViehbeerken sind ungemein zusammen geschmolzen; der Verkehr ist we-gen der großen Unsicherheit oft ganz unterbrochen, so daß mitunter ingeringen "Entfernungen die Preise der Landeserzengnisse auf kaum glaub-liche Weise von einander verschieden sind; die Cirkulation edler Metalleendlich ist beinahe ganz verschwunden, und man trügt sich wohl nichtmi der Annahme, daß der Betrag des in ganz Abyssinien kursirenden^vld- und Silbergeldes sich auf lONMü Speciesthaler belaüft.

. Eigene Ansfuhrprodukte hat Abyssinien gewisser Maßen gar nicht;denn die Gefangenen, bemerkt Rüppell sehr richtig, welche in den Bür-gerkriegen gegenseitig gemacht und als Sklaven zum Verkauf in's Aus-lud zu Markte gebracht werden, sind doch gewiß nicht als ein regelmä-ßiger Handelsartikel zu betrachten. Um den Betrag der wenigen Artikel^ berjchligen, welche Abyssinien vom Auslande bezieht, müssen in denUdwssiijch gelegenen Ländern Gold, Elfenbein, Moschus, Sklaven rc.,^lche man von dort ausführt, billig eingehandelt und mit beträchtlichem^c'winn an der Meeresküste vertauscht werden. Massaua ist der einzige

f-brhafen von Tigre und Amhara. Der Werth der jährlich vonAbyssinien dahin gebrachten Handelsartikel beträgt nur 208 , 50 V Species-'haler, darunter 2,vvv Sklaven beiderlei Geschlechts im Durchschnitts-