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Die christlichen Staaten
weide geboren worden sind. Aus diesen Verbindungen entsteht fernerEifersucht, die so weit gehen kann, das; ein Ehebrecher oft seinen Neben-buhler erschlägt. Diese Unbeständigkeit in dem Verkehr beider Geschlechterbemerkt man während des ganzen Gebens eines Menschen Sie ist es,welche die Abyssinier so leichtsinnig macht, die keine Beständigkeit, alsin der Unbeständigkeit kennen; sie macht sie zu Lügnern, worin sie eseben so weit gebracht habe», als die Araber, ohne jedoch nicht ein ge-wisses Schamgefühl auszuschließen, was der Araber nickt kennt, wen«er auf der Lüge ertappt wird. Bei all' diesen Lasier» zeichnet den Abys-sinier dagegen die Gastfreundschaft aus: ein Reisender ist niemals inVerlegenheit, Quartier zu finden; kommt er Abende in einem Dorfe an,so w rd er von dem ersten, den er erblickt, in sein Haus eingeladen, woer sieb eben so behaglich suhlen kann, als bei sich daheim, und versichertsein kann, daß, wäre er auch mit Gold beladen, sein Wirth kein Körn-chen anrühren wird. Andererseits sind die Abyssinier aber auch Naüber,in jenen Zeiten der Anarchie, die in dem Lebe» dieses Volks zur Ge-wohnheit geworden ist: Plünderung betrachten sie in diesem Sinne alsein Recht des Krieges. Diebstahl kommt selten vor, denn dies Verbre-chen führt, außer einer strenge» Strafe, allgemeine Verachtung undSchande mit sich, und es ist leicht, das gestohlene Gut wieder zu be-kommen. Die Dienstboten sind durchgängig redlicher als in Europa.Selbst ein Dieb von Prosession wird seines Herrn Haus wohl niemalsbestehlen. Ihre Kinder bestrafen die Abyssinier nur dann strenge, wennsie etwas veruntreüt haben.
Grausamkeit liegt, im Allgemeinen genommen, nicht im Charakterdes Abyssiniers. Im Kriege erschlage» sie wohl nie einen Gefangenen,und wenn sie sehen, daß der Sieg auf ihrer Seite ist, so machen sielieber große Umwege, um Gefangene einznfangen, als diejenigen nieder-zustoßen, die sich noch vertheidigen wollen. Die Fälle, in welchen siegrausam sind, ereignen sich bei den Verwundeten der feindlichen Partei.Diese laßt der Sieger liegen, und elend sterben, wo eine geringe Sorg-falt vielleicht hinreichte, ihr Leben zu retten. Auch gegen Thiere sind sienicht grausam: man sieht Älter» ihre Kinder strafen, weil sie einem le-benden Vogel die Federn ausrupften, obwohl derselbe eben geschlachtetwerden sollte. Mildthätigkeit gegen Arme zeichnet den Abyssinier aus',er weiset keinen Bettler ab, ohne ihm etwas gegeben zu haben, biswei-len über seine Mittel, denn er leidet oft Hunger, um nur das Wenige,was er hat, mit dem noch Dürftigeren zu theilen.
Die Abyssinier sind sehr leicht zum Zorn gereizt, aber auch eben s»schnell zur Verträglichkeit geneigt. In Tigre fallen bei ihren Streitig*keilen zuweilen Schlägereien vor, in Amhara findet dies aber fast »"statt; denn hier muß der, welcher geschlagen hat, eine Geldstrafe ent-richte», die sich theils nach der Beleidigung, theils nach seinen Mittel»richtet. Die Hälfte davon erhält der Beleidigte, es sei denn, daß ^wieder geschlagen habe, in welchem Falle er ebenfalls zahlen muß. B>s-weilen sieht man sie auf eine Weise mit einander zanken, daß man gla>^den sollte, sie könnten sich niemals versöhne», und doch sind sieVerlauf einer Viertelstunde wiedcrum die liebste» Freünde.
Haben die Kinder das sechste oder siebente Jahr erreicht, so betrachtman sie als Dienstboten. Die Knaben sind Hirten bis zum vierzehn""oder fünfzehnten Jahre und wohnen bei den Ältern; sind aber diese ar>»,so lassen sie selbige im Alter von acht oder neun Jahren von sich,
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