Buch 
6 (1844) Das amerikanische Staatensystem, das mohammedanische Staatensystem, die christlichen Staaten von Abyssinien, das buddhaistische Staatensystem und die Heidenwelt : nach den geographisch-statistischen Hauptverhältnissen / von Dr. Heinrich Berghaus
Entstehung
Seite
187
JPEG-Download
 

.Das chinesische Reich.

187

weit vor und ihr, im wagerechten Durchmesser, breites Gesicht nähertsich der Nautengestalt; Schönheit besteht bei ihnen darin, es ganz znge-rundet zu haben. Die Seite des Gesichts ist der des kaukasischen Men-schenschlages ungefähr gleich. Die Chinesen gelten für arm an Bart;das liegt' aber zum Theil in der Art, wie sie ihn pflegen. Sie sind stark,und eher dick, als lang. Warmes Getränk und sitzende Lebensart ver-ursachen bei den höheren Stänken und dem weiblichen Geschlechte eineFettigkeit, die sich beim gemeinen Volke keineswegs findet.

Die Bevölkerung von China wird von den Chinesen selbst mit demNamen Pe-sing, die 1V0 Familien, bezeichnet, wahrscheinlich nach dertraditionellen Anzahl des Kerns der Nation. Es sind sogar jetzt nichtmehr als ungefähr 4«v bis 500 Familiennamen im ganzen Reiche ver-breitet, und Personen mit gleichen Familiennamen werden in solchemMaße als von Einem Stamme herkommend betrachtet, daß das Gesetzjede Verbindung unter ihnen verbietet. Die Civilisation hat jede anderekleine Verschiedenheit, welche jene alten Stämme unterscheiden konnte,verlöscht, und das Hinzukommen vieler fremden Familien aus der Mon-golei, Mandschurei und aus Tübet verursacht, daß man die Züge derwirklichen Autvchthonen China's nicht mehr erkennt.

Vier Glaubenssysteme herrschen unter den Völkern des chinesischenReichs. Das Buddhaistische tritt hier vorzugsweise hervor, als das-jenige, welches die meisten Anhänger hat. Die große Masse der Bevöl-kerung von China bekennt sich zum Buddhathum; die Koreaner sindBuddhisten, die Tübeter, die Mongolen, die Mandschuö, die Völkerresteder Miao nnd Lo los, die Bewohner der Lieu khieu Inselgruppe. NachChina kam diese Religion aus Indien 200 Jahre vor Christ. Geb.Buddha wurde von den Chinesen Fo-thv geschrieben, nnd durch Abkür-zung entstand der Name Fo, der in China die Buddha-Religion bezeich-net. Die ursprünglich im Sanskrit geschriebenen heiligen Bücher derBuddhaisten wurden in'ö Chinesische übersetzt und trugen zur Verbrei-tung der Kenntniß des Sanskrit in China sehr wesentlich bei. Diebuddhaistischeu Priester weihen sich dem Cölibat und viele unter ihnenvernachlässigen das Studium einer Philosophie, die für sie zu dunkel ist,Und lehren nichts als den krassesten Götzendienst, der sich aüßerlich inden Tempeln und Klöstern ihrer Sekte durch viele Ceremonien zu Ehrenmißgestalteter allegorischer Figuren und von Reliquien kund gibt. Derzu Ende des 5ten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung von Indien nachChina gekommene buddhaistische Patriarch halte lange seinen Sitz indem zuletzt genannten Lande, jetzt hat er seinen Sitz in Tübet, in Hlassa,der Hauptstadt dieses Landes, die fast nur aus Tempeln und Klösternbesteht. Aber die Buddhaisten in China, der Mandschurei rc., erkennenseine geistige Oberherrschaft nicht durchaus an.

Das zweite der im chinesischen Reiche herrschenden Glaubenssystemeist die Doktrin der Gelehrten, als deren Reformator und Patriarch Kon-su-tse, gewöhnlich Confncius genannt, angesehen wird. Dieses Systemkann, wenn man will, als die eigentliche Skaatsreligion, zu der sich hiehöchsten Stände in China nnd Korea und die gebildeten Leute dieserbeiden Länder bekennen. Jede obrigkeitliche Person übt diesen Kultusinnerhalb des Kreises ihrer amtlichen Verrichtungen, und der Kaiserselbst wird als das geistliche Oberhaupt dieser Religion angesehen. SieHut einen philosophischen Pantheismus zur Grundlage, der den Zeiträu-men nach verschiedene Auslegungen erhielt. Man glaubt, im hohen