Amerika.
241
den, und die spanischen Schönen in Chili haben es nicht verschmäht,unter ihren Vergnügungen diese Sapatera einzuführen, die ein Diminu-tiv ihres Nativnal-Fandangv ist.
Gleich vielen andern Nationen der Neuen Welt bewahren die Arau-canos das Andenken einer großen Wasserflnth, welcher nur wenig ent-rannen. Sie bestimmen mittelst des Schattens die Zeit der Sonnen-wenden, und ihr Jahr (Sipantu) zeigt noch mehr Analogie mit demägyptischen Jahre, als das der Azteken. Sie theilen den natürlichen^ag, indem sie von Mitternacht zu zählen anfangen, in zwölf Theile,sechs zum Tage und sechs zur Nacht, wie die Chinesen, die Japaner, dieTahitier und einige andere Nationen. Sie fassen die Sterne in mehrereSternbilder ein, die ihre Namen von den Hauptsternen, aus denen siezusammengesetzt sind, erhalten. Sie unterscheiden die Planeten von denFixsternen und halten sie für eben so viele bewohnte Welten, wie unsereErde. Mit Aristoteles glauben sie, daß die Kometen aus atmosphäri-schen Dämpfen entstehen, die sich in den oberen Luftschichten entzünden,und sehen sie als die Vorboten von Unglück an.
Obwohl ihre geometrischen Kenntnisse unvollkommen sind, so habensie doch Wörter in ihrer Sprache, um die verschiedenen Arten von Größezu bezeichnen. Sie bearbeiten mit Erfolg die Dichtkunst und Arznei-kunde, so weit es ohne Schrift und ohne Bücher möglich ist. Die erstereist nur eine Zusammenstellung von starken und lebhaften Bildern, vongewagten Figuren, häufigen Anspielungen und pathetischen Ausrufungen.Ihre Gesänge handeln gewöhnlich von den Großthaten ihrer Helden.Ihre Aerzte nennen sich Amfibes und ihre Wundärzte Gutarves.
In den Ebenen, die sich südwärts vom Colorado, zwischen dem öst-lichen Fuß der Andeskette und den Küsten deö atlantischen Oceans er-strecken, in diesem Lande, welches wir unter dem Namen Patagonienkennen, leben die eben so genannten Völkerschaften, die, wie die Arau-canvs, in zahlreiche Stämme zerfallen. Die Patagonier sind durch ihreGröße berühmt: an verschiedenen Punkten der Küste, und nur diese istuns bis jetzt, mit sehr wenigen Ausnahmen, bekannt, hat man Menschengesehen, von denen keiner unter lü Zoll maß, verschiedene über 6 Fuß,und einer 6 Fuß, 7 Zoll hoch befunden wurde. Falkner, der sich meh-rere Jahre unter diesen Völkern im Innern aufgehalten hat, beschreibteinen Kaziken als einen sieben Fuß und einige Zoll langen Mann. Die-ses Maß bestimmte er dadurch, daß er, auf den Zehen stehend, mitseinen Fingerspitzen des Kaziken Scheitel nicht zu erreichen vermochte,und er erinnert sich nicht, je einen unter den dortigen Patagoniern ge-sehen zu haben, den der Haüptling um mehr als zwei Zoll an Höheubertroffen hätte.
Im Feüer lande wohnen einige Familien von Menschen, die?Ugenscheinlich von jenen auf dem festen Lande ausgeartet, und vonihrer ursprünglichen Größe sehr herabgesunken sind. Ihre dicken Köpfe,breiten Schultern und Brustknochen, ihre Gesichtszüge sogar verrathen,daß sie von dem zunächst angrenzenden Stamme der Patagonier abstam-mn. Ihre Züge sind grob, das Gesicht breit, mit hoch hervorragendenBackenknochen, flacher Nase, weiten Nasenlöchern und Munde; und inder ganzen Gesichtsbildung herrscht eine Leere, die keines andern Aus-drucks als des Elendes fähig scheint. Ihr etwas schwarzes, schlichtge-hendes Haar hängt in eckelhafter Verwirrung um den Kopf, ihr Bartist dünn und kurz abgestutzt. Der Obertheil des Körpers ist stark ge-
Bkrghans, Bd. VI. 2. Abtblq. l 6