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2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
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und das Absaugen oder Ablaktiren (H. 191) lehrt dieselben auchauf künstlichem Wege hervorbringen. Wenn svlche freiwilligenVerwachsungen an krautigen Stammen und Aesten vorkommen,wo sie oft die ganze Länge derselben einnehmen, so wird dasGanze nicht selten einem verbreiterten Stengel ähnlich. Einegenauere Untersuchung wird jedvch immer die Grenzlinien oderandere untrüglichen Merkmale der Verwachsung erkennen lassen,und so diese beiden verschiedenen Arten der Mißbildung unter-scheiden lehren.

S. 226.

Weit zahlreicher als an Wurzel und Stamm sind die Miß-bildungen bei den Blättern, was sich schon zum Voraus ver-muthen läßt, wenn man bedenkt, daß dieselben schon im norma-len Zustande eine Menge von Abänderungen in Gestalt, Farbe,Konsistenz und andern Verhältnissen, oft sogar auf der nämlichenPflanze, zeigen, und daß sie die eigentlichen Grundvrgane sind,woraus sich alle hohem Organe in einer gewissen Succession ab-leiten lassen. Hier wäre zuerst zu erwähnen das Vorkommen vonBlättern an Stellen, wo sich gewöhnlich keine blattartigen Organefinden, wie an dem Schafte des gemeinen Maßliebchens(kellis perennis), der, gewöhnlich blattlos, zuweilen über seinemGrunde mit einem oder mit mehreren Blättern in verschiedenenHöhen besezt ist, oder nahe am Gipfel, unter dem Blüthcnkopfemehrere Blätter trägt, so daß im ersten Falle die obersten Blät-ter des verkürzten unterirdischen Stammes gleichsam in die Höhegehoben, im zweiten Falle aber die Dcckblättchen der Hülle desKopfes herabgezogen scheinen; in beiden ist jedvch diese abwei-chende Stellung der Blätter nur durch monströse Verlängerung dersonst bis zum Unkenntlichen verkürzten Jnterfoliartheile hervorge-bracht. Auch an dem sonst nackten Schafte des gemeinenLöwenzahns (l^eontoäon 'Hax-reum) wurde schon das Vor-kommen einzelner Blätter beobachtet.

Häufig sind die Blattformen, welche aus einer abnormen Zer-theilung der Blattscheibe entspringen, indem z. B. sonst wenigertief getheilte oder selbst ganzrandige Blätter eine tiefere Spaltungdes Randes zeigen. So kommen die gemeineErle und Birke,