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2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
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am Gattenmohn, an den Rosen und Gichtrosen sehrleicht erkennen, und es sind die verschiedenen Grade dieser Um-wandlung schon (l. S. 322, kiZ. 317) von der Monströsebeschrieben und abgebildet worden. Ucberhaupt wird diese Rück-bildung der Staubgefäße iu Blumenblätter so häufig angetroffen,daß es überflüssig wäre, noch weitere Beispiele anzuführen, da inden meisten Fällen auf dieser Umwandlung eines Theils oder al-ler Staubgefäße die Füllung der Blüthen beruht. Daß aber auchdie Staubgefäße eine grüne Farbe und eine der tiefern Blatt-bildung mehr ähnliche Beschaffenheit annehmen können, beweisen dievorhin erwähnten monströsen Blüthen der Kapuzinerkresse,in welchen die Staubgefäße gestielte Blätter, mit starkem aus-laufcndcn Mittelnerven bilden, an welchem zwei grüne, ohrför-mige Läppchen an den Seiten die aus der Verfluchung der An-therenfächcr hcrvorgegangenen Hälften der Blattscheibe andeuten.Aber auch eine abnorme Verwandlung der Staubgefäße in Pi-stille gehört nicht unter die allzusclten vorkommenden Fälle undist schon an Pflanzen aus sehr verschiedenen Familien beobachtetworden. Vorzüglich häufig findet sich diese Mißbildung bei dergemeinen Hauswurz (Lsmperrivum tectorum), wo näm-lich die meisten der auf Mauern oder anderwärts verpflanzten StöckeBlüthen bringen, in welchen ein Theil oder alle Staubgefäße ver-ändert sind. Dabei lassen sich gewöhnlich alle Ucbergängc vonder normalen Bildung derselben bis zum geschlossenen Fruchtblattsnachweisen, indem zuerst die Antherenfächer sich verlieren unddas Connectiv mit Eichen bcsezt wird, dann die Umwandlungauch den Staubfaden ergreift, bis sich an den am meisten verän-derten Staubgefäßen die vollständige Pistillbildung einstellt*).Bei dem morge irländischen Mohn (?ax»ver oi-iontsls)wurden (von H. Moh l**) ebenfalls dieUebergange der Staubgefäße

*) Diese Verwandlung der Staubgefäße wurde schon von Schmi-del (Icones plnntarun, et snsl^ses psrtium, p. 210, tsb. 44,22 28 ) beschrieben und abgebildet. Die genaueste Beschreibungs hat aber Hugo Mohl (Beobachtungen über die Umwandl. vonAnthereu in Karpelle. Tübingen 1856 , S. 18 22 ) gegeben, woauch (S. 15) noch andere Pflanzen, bei welchen diese Mißbildungbeobachtet wurde, namhaft gemacht sind.

»») A. a. O. S. 22-26.