Buch 
2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
Entstehung
Seite
33
JPEG-Download
 

33

desselben unmöglich gemacht würde, und bei weitem die meistender mißgestalteten Früchte sind nur eine weitere Ausbildungeiner schon im Pistill oder überhaupt in der Blüthe vorhandengewesenen Abweichung von dem normalen Baue. Die ziemlichhäufig, namentlich bei dem Stein- und Kernobst, vorkommen-den Zwillingsfrüchte haben ihren Grund entweder in einer Ver-doppelung des einfachen oder zusammengeseztcn Pistills einerBlüthe, oder in einer ursprünglichen Verwachsung zweier Blüthen,wo die Pistille schon zur Blüthczcit ebenfalls zusammengewachsenwaren, oder erst während ihrer Vergrößerung zur Frncht dieVerwachsung eingingen.

In den Fällen, wo in einem freien (d. h. nicht mit den übrigenCyklen der Blüthe verwachsenen) Pistille eine theilweise Trennung derFruchtblätter eingetreten war, jedoch ohne daß die leztern in ihrenBauchnähten sich geöffnet hatten, sieht man dasselbe zu einer Frucht sichvergrößern, welche mehr oder weniger tief gefurcht und gespalten er-scheint, indem die Spitzen ihrer getrennten Fächer wie eben so viele Lap-pen oder Hörner aussehen, eine Mißbildung, welche nicht selten beiCitronen und Pomcranz e n wahrgenommen wird. Es stellensich hier auf abnorme Weise bei der nämlichen Art oder selbst auf ei-ner und derselben Pflanze die verschiedenen Grade einer Verwachsungder Fruchtblätter ein, wie wir diese in der Gattung der Ni gel-len bei Vergleichung der verschiedenen Arten (s. I, S. 341) ver-folgen können, und diese monströsen Früchte geben uns auch dienämlichen Aufschlüsse über die Entstehung und Bedeutung der mchr-fächcrigen, oder überhaupt der zusammengeseztcn Pistille und Früchte.

Merkwürdige Mißgestalten entstehen dann, wenn über dasursprüngliche Pistill die Blüthcuachse in einen Gipfeltrieb verlän-gert war (s. S. 22) und nun dieses Pistill, sammt dem Triebeund den von ihm getragenen Theilen, sich weiter ausbildet. Beistark verlängertem Gipfeltriebe gibt es dann eine Frucht, welcheauf ihrem Scheitel einen beblätterten Trieb trägt'), oder wo,wenn die sprossende Achse selbst wieder durch eine Blüthe miteinem vollständigen Pistille geschlossen war, eine zweite Frucht aufeinem Stiele über die erste sich erhebt ^). War dagegen die

') C. Bonnet's Untersuchungen über den Nutzen der Blätter, vonCh. Fr. Bveckh, t»l>. L6, 1'^. i. ') Das. «ix. 2 .

Bischvff, »«»-mit. ». Bande» r. Thl- 3