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2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
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Achse nicht über das monströse Pistill hinaus verlängert, undbleibt dieselbe auch während der Ausbildung zur Frucht verkürzt,so tritt entweder die auf ihrem Gipfel befindliche Frucht nochmit ihrem obern Theile über die primäre Frucht hervor, und wirdvon dieser an ihrem Grunde, wie von einem wulstigen Kelche,umgeben i), oder die Fruchtblätter des primären Pistilles schließensich über dem sekundären zusammen, hüllen das lezterc vollstän-dig ein und bilden dann eine Frucht mit einer kleinern im In-nern, wie dieses schon an Aepfcln, Pomeranzen u. a. an-getroffen wurde. In beiden Fällen findet man zuweilen sogardie Andeutungen einer wiederholten Gipfelsprossnng, indem im erstenFalle wieder über die sekundäre Frucht die Rudimente einer odermehrerer Früchte hervorragen '-), im zweiten Falle aber in dersekundären noch der Ansatz zu einer drittenr Fucht enthalten ist*).

Au den von der normalen abweichenden Bildungen derFruchthülle gehören die Beispiele, wo man in Pomeranzen diedie einzelnen Fächer bildenden Fruchtblätter verschieden (roth undgelb) gefärbt, oder Weinbeeren der Länge nach roth undweißlich gestreift fand, oder wo, wie De Candolle**) berichtet,ein Reinette-Apfel zur Hälfte ein weißer und zur Hälfte eingrauer war. Die fehlerhafte Ausbildung der verschiedenen Schich-ten der Fruchthülle, z. B. an der Knack- oder Krachmandelund bei manchen Wallnüssen, ist ebenfalls dahin zu zählen,wo nämlich die Zellen der Stcinschale nicht oder nur zum Theilerhärten, und die lcztcre dadurch dünn und zerbrechlich bleibt.Die erstgenannten Mißbildungen werden nur selten und verein-zelt angetroffen, während die leztere (ob zufällig oder durchImpfung weiter verbreitet) häufig und an gewissen Bäumen bestän-dig vorkommt. Auch Pflaumenbäume hat man schon gesehen,welche Früchte mit unvollständiger oder fehlender Steinschale brachten.Auch bei den Same n fehlt es nicht an Mißbildungen, wie

') ve L'anckvÄe', Oe^ana^r. vexet., tab. 4;, ss^> 1 , b- 2) Das. ÜA.1, <1. (Alle von Birnen, welche vorzugsweise zu diesen Miß-bildungen geneigt scheinen.)

Wer einmal die normale Bildung des Pistills morphologischrichtigaufgefaßt hat, wird diese häufig sehr falsch gedeuteten Mißbildun-gen leicht aus dem normalen Verhältnisse naturgemäß abzuleitenund zu erklären wissen,klix-iolusieexet., II, p. 73s.