Buch 
2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
Entstehung
Seite
92
JPEG-Download
 

92

Pflanzen vorkommen, obgleich fle in der Art ihrer Erzeugungvon den verwandten, auf abgestorbenen Gewächsen vorkommen-den kaum unterschieden seyn mögen. So kann man häufig sehen,wie an vcrleztcn oder von ihrer Rinde entblödten Stellen einesStammes oder Astes bei Bäumen und Sträuchern die Pilzmasse,ähnlich einem geronnenen Schleime, aus dem Hvlzkörper hervor-quillt, atlmälig sich vergrößert und unmittelbar zu einem vollstän-digen Pilze answächst. Es läßt sich deutlich erkennen, daß die-ser bildungsfähige Schleim aus dem Innern der Hvlzsubstanzhervordringt, daher auch der ausgebildete Pilz der lcztern nicht blosoberflächlich ansizt, sondern an seiner Basis mehr oder wenigertief in dieselbe eingewachsen oder auch mit ihr verschmolzen ist.So zeigt es sich z. B. bei den strunkloseu, aus lebenden Bäumenwachsenden Lvcherpilzcn (Istol^orus vensieolor, olssolna-lis, Ist. suareolsns, ist. komentninus n. a.) und Buchten p i lz^en(Daeäalsa Zibsioza, ü. hetullna u. s. w.), so wie selbst bei demgemeinen Ohrpilze oder dem Hollunderschwamm (Lxi-rlik» ^uriouln Turins), wo man bei einiger Aufmerksamkeit ge-wöhnlich, neben den weiter ausgebildeten, auch noch die Anfängeder Pilze in den verschiedensten Entwicklungsstufen auffinden uudso ihre Fortbildung aus dem Anfangs formlosen Schleime verfol-gen kann. Allem Anschein nach geht auch hier durch die äußern,auf die verlezte Stelle einwirkenden Einflüsse in dem daselbstsich sammelnden Safte eine krankhafte Verwandlung vor, in de-ren Folge dieser Saft, statt znr Bildung neuer Holz- und Rin-dculagen verwendet zu werden, in Form eines geronnenen Schlei-mes an die Oberfläche hervortritt und zur Muttcrmasse wird,die dann unmittelbar in die verschiedenen Pitzbildungen answu-chert. Die anatomische Untersuchung läßt nämlich bei diesenPilzformen kein solches Fadcngcflechte, wie dieses den aus Spo-ren aufkeimenden Pilzen vorausgeht (II, S. 502), erkennen, son-dern zeigt einen mehr unmittelbaren Uebergang aus der Holzsnb-stanz des Stammes oder Astes in die ausgebildete Pilzsubstanz,so daß man leicht zum Glauben verleitet werden könnte, die lez-tere sey durch eine bloss Umwandlung der Holzzellcn aus der er-ster» entstanden, obgleich das Vorkommen getrennter und halb-zerstörter Holzzellcn innerhalb der Pilzsubstanz vielmehr aus einemmechanischen Emporreißen und Umschließen durch die leztere zu