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2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
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eine sehr kräftige Vegetation noch weit gegen den Nordpol hinsich erstreckte.

§. 291 .

Es sind zwar bis jezt mir anf dem kleinsten Theile derErde die fossilen Uebcrreste von Pflanzen untersucht worden, in-dem man, außer Europa und Nordamerika nur von wenigen ein-zelnen Stellen anderer Wclttheile einige Nachrichten über dieselbenbestzt; es ist daher anzunehmen, daß bei weitcrn Nachforschungennoch manche dieser Uebcrreste zu entdecken sind, so wie es wohlkeinem Zweifel unterliegt, daß sich bei weitem nicht von allenPflanzen der verschiedenen Bildungsperioden die Reste bis aufdie jetzige Zeit erhalten haben, sondern daß viele, namentlich Ge-wachst' von zarterem Baue spurlos verschwunden seyn mö-gen; demnngeachtet geht aber doch aus der Ncrgleichung der unsbereits bekannten Thatsachen hervor, daß die Vegetation im An-fang weit einförmiger war, und daß sie mit jeder Bildungsperiodemannichfaltigcr, immer vollkommener und her jezt vorhandenenimmer ähnlicher geworden.

Aus der Vergleichung der Vegetation der verschiedenen Pe-rioden lassen sich ferner manche Vermuthungen über die jedes-malige Beschaffenheit der Erdoberfläche in jener Vorzeit gründen,wie wir noch jezt aus dem Charakter der Vegetation, sollte unsdieselbe auch nur in getrockneten Eremplaren bekannt seyn, anfdie Beschaffenheit des Landes, welchem sie angehört, zu schließenvermögen. So läßt uns die auffallende Einförmigkeit des Dege-tationscharakters der ersten Periode auf eine große Gleichförmig-keit der klimatischen Verhältnisse der Erdoberfläche in jener ur-wcltlichen Zeit schließen, und es konnte damals noch keinen Unter-schied zwischen heißer, gemäßigter und kalter Zone geben. Diekolossale Größe der kryptvgamischen Gefäßpflanzen, deren entspre-chende Formen der Zeztzeit, jedoch meist in kleinerm Maßstabe,nur unter der heißen Zone gedeihen, deutet darauf hin, daß wäh-rend jenes Zeitraumes die Temperatur der Erde und der Atmo-sphäre viel höher gewesen sey als gegenwärtig. Endlich lassen diezahlreichen Wasserpflanzen, besonders aber die große Menge derbaumartigen Farne, welche ein heißes und zugleich feuchtes Klimaandeutet, so wie die in unterbrochenen Zügen statt gefundenen