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bei. So sind die meisten großen Wälder nnd Sümpfe, welcheehemals Deutschland bedeckten, verschwunden; in Italien, wo dieZerstörung noch viel früher begonnen hatte, sind auch jezt diehochstämmigen Waldungen seltner als bei uns; auf dem Libanon,dem einst mit Ccdern bedeckten Berge, stehen jezt kaum noch hun-dert dieser stattlichen Bäume; in Nordamerika nimmt die Ver-wüstung der Wälder durch Menschenhände mit der alljährlich stei-genden Bevölkerung fortwährend zu; Aehnliches berichten die Rei-senden aus ganz Südamerika, wo besonders die zum technischenund medicinischcn Gebrauche in zunehmenden Mengen gefälltenBäume und ausgcgrabcncn, strauchigcn und krautigen Pflanzenmit der Zeit die Ausrottung ganzer Arten nnd Gattungen be-fürchten lassen, indem jezt schon in vielen Distrikten der Mangelan solchen sich fühlbar macht und die Einwohner nöthigt, ihreDorräthc aus mehr entlegenen Provinzen sich zu verschaffen.Selbst durch die Verbreitung seiner Hausthiere führt der Menschdie Verminderung mancher Pflanzen herbei. So werden, nachThnnberg's Berichte, die Früchte des nur auf dem Vorge-birge der guten Hoffnung wachsenden stcrnblättrigen Zepter-baums (ünnbejum stellatum TVittnö.) von den durch die Ko-lonisten dorthin gebrachten Schweinen so begierig aufgesucht undverzehrt, daß selten noch ein Same zur Keimung gelangt, wenner nicht zwischen Steine fällt, wo er vor diesen gefräßigen Thie-ren gcschüzt ist.
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Wenn wir die natürlichen Vcrbrcitungsbezirke der Pflanzenüberblicken, so dringt sich uns die Ueberzeugung auf, daß dieVegetation der jetzigen Bildnngsperiodc gleich von Anfang überalle dem Pflanzcnwachsthum günstige Stellen der Erdoberflächeausgebreitet war, und daß die Pflanzen da, wo ihre ursprünglichenStandorte unverändert blieben, auch an denselben bis auf unsereZeit sich erhalten haben. Da schon von dem ersten verweltlichenZeiträume der organischen Schöpfung an eine solche mehr allge-meine Verbreitung der Vegetation die wahrscheinlichere bleibt, soiii um so mehr zu glauben, daß auch beim Beginne dieses lcztcnZeitraumes die Pflanzen nicht in einem einzigen Exemplare oder,