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bei getrennten Geschlechtern, in einem einzigen Paare vorhandenund dabei alle auf einen einzigen, vom Meere »m flösse neuRaum zusammengedrängt waren, wie Linn6 behauptete*), oderdas; die höchsten Gebirgsrücken überhaupt als die Gcburtsstättcndes Pflanzenreichs anzusehen seyen, von wo aus sich die Gewächseüber das tiefer gelegene Land verbreitet haben, wie Wildenvwlehrte**). Es läßt sich durchaus nicht denken, daß die Pflanzen,welche jezt über die ganze Erde verbreitet, grvßentheils nur un-ter einem bestimmten Klima gedeihen, ursprünglich alle aus einembeschränkten Ranme und unter gleichen Temperaturverhältnissenwachsen konnten, und selbst, wenn man mit Linus ein hohesGebirge, mit seinen verschiedenen Regionen inmitten jener ver-meintlichen Wiege der Pflanzenwelt annehmen wollte, so wündesich dennoch die große Verschiedenheit der Vegetation in den ver-schiedenen Welttheilen, in der Ebene wie auf den Gebirgen, ausjener Annahme keineswegs erklären lassen. Wir sehen ferner diehvhcrn Gebirgsrücken unter allen Zonen eine Menge ihnen eigen-thümlicher Pflanzen nähren, welche nie in die Ebenen hinabstei-gen, während anderseits viele Pflanzen des ticfcrliegcnden Flach-landes nicht auf den Bergen gefunden werden, wodurch die Hy-pothese einer allgemeinen, von den Gebirgsrücken ausgegangenenWanderung der Gewächse widerlegt wird***).
Obgleich nun eine allgemeine Wanderung der Gewächse voneinem oder von mehreren erhabenen Punkten aus, nicht angenom-men werden kann, so läßt sich doch die im Laufe der Zeit statt-gcfundene weitere Verbreitung vieler Pflanzen nicht läugnen.
*) <7. /.tnna^r Ocatio üe telluri» babitsbilis inceementn Gwveiiitat.Sessel». Lä. 3, v»l. II, p. 430, p. 444 etc.)
**) §. L. Wildenvw, Beiträge zur geographischen Geschichte dcSPflanzenreichs (Usteri, neue Annalen 16 . St. 1797).
Desselben Grundriß der Kräuterkunde. 5te Auflage, S.491—495.
***) Gegen die Theorien Liuns's und Wildenvw's sprechen auchnoch ganz besonders diejenigen Pflanzen, welche einen sehr kleinen aufeinzelne Gebirgshöheu beschränkten Verbreitungsbezirk haben, vonwelchen einige früher (S. 154) schon genannt wurden, deren esaber noch mehrere, und fast für jeden hoher» Gebirgszug der Erdewieder andere Arten gibt.