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2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
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203
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Wir haben schon bei der Aussaat (H, S. 473476) die ver-schiedenen Wege kennen gelernt, auf welchen die Samen vielerPflanzen weiter verbreitet werden können, und es ließen sich, außerden früher genannten, noch manche angeben, die von ihrem ur-sprünglichen Verbreitungsbezirke aus allmälig immer weiter ge-wandert und nun auch in andern Gegenden einheimisch gewordensind. Wie sich in bei den Alpen nah gelegenen Gegenden das Herab«steigen mancher Pflanzer? und deren Verbreitung längs der Flüsseoft auf ziemlich weite Strecken in den Thälern und auf der Ebeneverfolgen läßt, so sieht man umgekehrt auch die Pflanzen derEbene durch die Thalmündungen und Gebirzscinsattlungen in dieAlpengegendcn vordringen und sich durch Emporsteigen sowohl,als durch das Entgegenkommen der Alpenpflanzen, mit diesen lez-tcrn vermischen. So läßt sich z. B. in Tyrvl") die Einwan-derung mancher Pflanzen der scandinavisch-dentschcn Flora vonNorden, und der Flora des Mittclmceres von Süden her nichtverkennen. Von manchen Pflanzen, die jezt zur deutschen Floragezählt werden, ist es wahrscheinlich, daß sie von Osten her, ausAsten, eingewandert sind. Dahin gehören unter andern die be-senförmige Kochie (Koolria svopsr-i-,), welche wohl in Asienund vielleicht im östlichen Europa ihren ursprünglichen Vcrbrei-tungsbczirk hatte, und jezt bis nach Kram und Böhmen vorge-drungen ist; ferner das syrische Schnabelschötchen (Luvli-stium s^l-moum), welches sich von Asien her durch Siebenbürgenund Ungarn bis in die Gegend um Wien verbreitet hat. Dock-bleiben uns über solche freiwillige Wanderungen der Pflanzenimmer noch manche Zweifel, weil man, besonders bei größer»,ununterbrochenen Verbrcitungsbezirken häufig eben so gut anneh-men könnte, daß diese sich nicht merklich erweitert haben, sonderndaß nur das Seltncrwerdcn der Pflanzen gegen ihre Grenzen hinden Schein einer allmälig weiter gehenden Wanderung erwecke.

Dagegen wissen wir desto sicherer, wie der Mensch auf viel-fältige Weise, und mehr als alle von der Natur angewendetenMittel, die Ausbreitung der Gewächse befördert hat und täglichnoch weiter führt. Während er auf der einen Seite durch

') Vergl. Unger, über den Einfluß des Bodens auf die Vertheiluugder Gewächse, S. 101 .