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2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
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413
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welche sich in Linnv's Schriften noch nicht vorfinden. Darinsind nun freilich manche der spätern Schriftsteller zu weit gegangen,indem sie oft unnvthigerweise neue Kunstausdrücke bildeten oderden bereits vorhandenen eine andere Bedeutung unterlegten, unddadurch die Erlernung Der Kunstsprache nicht wenig erschwerten.Doch können, Dem Anfänger zum Troste, viele dieser Neuerungen,die keinen allgemeinen Eingang in die Wissenschaft fanden, vorläufigignorirt und die Erklärungen solcher, einzelnen Schriftstellern eigen-thümlichen und meist überflüssigen Ausdrücke in die ansführlichernSchriften über Terminologie verwiesen werden.

Um sich den Gelehrten aller Volker verständlich zu machen,hat Linn6 seine Kunstsprache in lateinischer Sprache gegeben,und wenn diese nicht ausreichte, auch zur griechischen seine Zufluchtgenommen; aus demselben Beweggründe haben aber auch seineNachfolger bei der weitem Ausbildung derselben sich an diese bei-den gelehrten Sprachen gehalten, so daß die für die Bildung derKunstausdrücke festgehaltenen Regeln eigentlich nur von ihnen gel-ten. Die Botaniker haben zwar versucht, die Terminologie auch inihre verschiedenen Landessprachen zu übertragen, waren aber oftgenöthigt, die lateinischen oder griechischen Ausdrucke, nur mit denin den lebenden Sprachen üblichen Endungen versehen, aufzuneh-men, wenn sie sich nicht gut übersehen oder wohlklingend wieder-geben ließen. Daher kommen auch in der verdeutschten Kunstsprachemanche lateinische und besonders griechische Wörter mit deutscherEndung vor, so daß man, da außerdem noch viele Wörter deut-schen Stammes hier ihre eigene, von der gewöhnlichen abweichendeBedeutung erhielten, unmöglich eine kunstgerechte Pflanzenbeschrci-bung verstehen und noch viel weniger selbst einwerfen kann, ohnedie nöthige Kenntniß der Terminologie zu besitzen. Für Diejenigen,welche der lateinischen Sprache nicht mächtig sind, gibt es zwarauch phytographische Schriften in deutscher Sprache; aber auch hiermuß man sich dann doch mit der wissenschaftlichen Bedeutung derAusdrücke vertraut gemacht haben, wenn man aus diesen SchriftenNutzen ziehen will.

Die Kenntniß der Kunstsprache bleibt also in allen Fällenbeim Studium der Pflanzen unerläßlich. Da jedoch die weitläufigeBehandlung der Terminologie in einem Lehrbuche einen atlzngroßen