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2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
Entstehung
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Neuntes Kapitel.

Von der Entstehung der wissenschaftlichen Pflanzenkundeund ihren Fortschritten bis auf unsere Zeit:

Geschichte der Botanik.

§. 349.

Wenn wir bis in die älteste geschichtliche Zeit zurückgehen, sofinden wir, daß während eines langen Zeitraumes die Pflanzen-kenntniß pur auf wenige Gewächse sich erstreckte, die durch ihrenbesondern Nutzen oder Schaden die Aufmerksamkeit der Menschenauf sich zogen, durch auffallende und schone Formen als Vorbilderzu Verzierungen von Kunstwerken sich empfahlen, oder in religiöserHinsicht eine gewisse Bedeutung erlangten und im dem Mythusirgend eine Rolle spielten. Selbst in Griechenland, zu den Zeiten,wo daselbst Künste und Wissenschaften in der höchsten Blühte stan-den, bcmübte man sich wenig um eine genauere Kenntniß derPflanzen, oder es geschah dieses doch meist nur in Bezug auf dieHeilkunde. Die Botanik jener Zeiten beschränkte sich größtentheilsauf Wurzelgrabcn und Kräutcrsuchen zu medicinischen, oft sogarnur zu abergläubischen Zwecken. Daher der Name Rhizotomen(Wurzelgräbcr) für die Kräuterkenncr der damaligen Zeit, von wel-chen man jedoch diejenigen, die sich schon eine umfassendere Kennt-niß der Arzneipflanzen erworben hatten, Pharmakvpolcn(Arzneihändler) nannte, während man diejenigen, welche die Naturder Pflanzen weiter zu erforschen strebten und sich mit ihrem Bau,mit ihren Lebenserschcinnngen, auch wohl mit ihrer Anwendungauf Haus- und Landwirthschaft beschäftigten, mit dem Namen derPhysiker (Naturkundigen) belegte. Doch nxrren auch dieKenntnisse dieser Physiker von den Pflanzen noch zu beschränkt,