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Obgleich in diesem langen Zeitraume hie und da noch einzelneGelehrte auftraten, welche von Pflanzen schrieben, so waren diesesdoch entweder nur Commentatorcn des Thcophrast, Diosko-rides und Plinius, oder Aerzte, denen die Kenntniß derPflanzen Nebensache war, da sie lediglich deren Wirkungen imAuge behielten. Doch wurde von arabischen Aerzten während dersäst tausendjährigen Dauer des Mittelalters die Zahl der denGriechen und Römern bekannten Pflanzen etwa um andcrthalb-hnndert vermehrt; freilich eine sehr geringe Zunahme, die sich jedochdaraus erklären läßt, daß auch die Araber der Botanik selbst zu Liebekeine Arbeiten unternahmen, sondern sich ebenfalls nur in medicini-scher und pharmaceutischer Hinsicht mit den Pflanzen beschäftigten.
So sehen wir dann die wenigen Kenntnisse, welche in denersten drei Jahrhunderten auftauchten, durch die ganze übrige Zeitdes 1800jährigen Zeitraums ohne eigentlichen Znwachs kümmerlichsich erhalten, und für Europa sogar wahrend des allen wissen-schaftlichen Aufschwung crtvdtenden Mittelalters gänzlich verlorengehen. Wie gering aber selbst diese Pflanzcnkenntniffe waren, er-gibt sich daraus, daß die Gesammtzahl aller bis zu Ende diesesZeitraums bekannten Gewächse mehr nicht als 1200 beträgt, eineSumme, die jezt leicht von den Phanerogamcn einer deutschenSpecialflvra, deren Gebiet höchstens einige Meilen im Geviertehält, überschritten wird, und die in wenigen Sommern von einemangehenden Botaniker zusammengebracht werden kann.
Nach der Zerstörung des byzantinischen Reiches durch dieTürken kamen viele der von diesen vertriebenen griechischen Flücht-linge nach Italien, wo sie gastlich aufgenommen, ihre Landesspracheund mit dieser die Kenntnisse der klassischen Gelehrsamkeit undKunst des Alterthums verbreiteten. Manche dieser Flüchtlingehatten eine bedeutende Menge Handschriften aus Griechenland mit-gebracht; andere kehrten zu verschiedenen Zeiten zurück, um der-gleichen zusammenzubringen, und durch ihr Beispiel angeregt, be-suchten bald auch mehrere Italiener das Morgenland, um diewerthvollen Ueberreste des Alterthums zu sammeln. Besondershat sich der edle Lorcnz von Medici (in der zweiten Hälftedes fünfzehnten Jahrhunderts) um Wissenschaft und Kunst dadurchden höchsten Dank erworben, daß er nicht nur die griechi-schen Gelehrten gastfrei aufnahm, sondern auch viele griechische