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Handschriften in dem von den Türken eroberten Lande sammeln ließ.Doch hatte man sür jezt vollauf damit zu thun, die im Abendlandewährend der Zeiten der Barbarei verloren gegangene Kenntnißder griechischen und altrömischen Sprache wieder zu erlangen, umdie Werke des klassischen Alterthums lesen und verstehen zu kön-nen. Daher vergingen der Rest dieses und die ersten Decenniendes folgenden Jahrhunderts vornehmlich mit dem Sprachstudium,so wie mit der kritischen Bearbeitung und Erläuterung der altenHandschriften, wobei nicht selten Widersprüche und Streitigkeitenunter den Gelehrten entstanden. Diese hielten in Bezug auf Na-turwissenschaften immer noch viel zu ängstlich an der Auctoritätder Alten fest, und vernachlässigten darüber das Wichtigste — dieBeobachtung der Natur selbst; sie glaubten immer noch, mit we-nigen Ausnahmen, in ihrer allzugrvßen Pietät gegen Dioskori-des, die Pflanzen desselben auch außer dem Bereiche, in welchemdieser seine Beobachtungen angestellt hatte, auffinden zu müssen.Daher erhielt auch durch sie die Pflanzenkenntniß keine wesentlicheBereicherung.
Zweiter Zeitraum.
Von Otto Brunfels bis auf Johann und Kaspar Banhin»oder vom Jahr lsao bis isoi.
S. 554.
Wie von Italien das erneuerte Studium des Alterthums unddie klassische Gelehrsamkeit gegen das Ende der vorigen Periodeausging, so schritten im Anfange des gegenwärtigen Zeitraums dieDeutschen allen andern Nationen auf dem einzig richtigen Wegeder Naturbeobachtung voran, und begründeten so von Neuem diewissenschaftliche Pflanzenkunde.
Der erste unserer deutschen Vater der Botanik war OttoBrunfels aus Mainz, zuerst Karthäusermönch, dann Schul-lehrer in Straßbnrg und zulezt Arzt in Bern, wo er 4534 starb.Um die damals eingerissene Verwirrung der Pflanzennamen zulösen und seine Zeitgenossen mit den einheimischen Pflanzen bekanntzu machen, gab er ein Werk H heraus, worin er die Beschreibungen
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