597 —
UM fünf volle Jahre, und diese vermeintliche Anticipativn derJahrestriebe in den Blüthen nannte er die Prolepsis derPflanzen, wornach also selbst die einjährigen oder Sommerge-wachse die Möglichkeit, sechs Jahre zu wachsen, besitzen, aberdurch das Voreilen alle folgenden Triebe in ihrer ersten undeinzigen Vegetationsperiode vereinigen würden.
Schmidel suchte ebenfalls den Uebergang des Markes indas Pistill zu beweisen; doch ließ er dieses nicht ganz aus demMark entstehen, sondern leitete die äußere Umkleidung desselbenaus dem Baste her, von welchem er glaubte, daß er auch dieinnere Fläche des Kelches überklcide und dann in die Blume undStaubgefäße übergehe *).
Allgemeiner und richtiger stellte Kasp. Fried. Wolfs dieEvolutionstheorie der Pflanzen dar; indem er mit Bestimmtheitdie Umänderung der Blätter in den Kelch, in die Blume, in dieStaubgefäße und selbst in die Samen behauptete, und als Be-weis dafür, daß die Blätter die Grundlage aller übrigen Pflan-zenorgane seyen, die Samcnlappen, als die ersten Blätter, an-führte. Er sah in der ganzen Pflanze nichts als Blätter undStengel, da er zu diesem auch die Wurzel zählte?).
Während jedoch Linn6 und Wolfs ihre Ansichten überdie Umbildung der blattartigen Organe nur mehr fragmentarischgaben, trug Joh. Wvlfgang v. Gvlhe, von einem ähnlichenGesichtspunkte, wie Wolfs, ausgehend, aber unbekannt mit dessenAndeutungen, seine schon früher (Bd. I, S. 460 u. 463) er-wähnte Metamorphosenlehre mehr im Zusammenhange vor, indemer auf äußerst klare und bündige Weise die geheime Verwandt-schaft der verschiedenen äußern Pflanzentheile nachwies, und dabeizeigte, wie sich dieselben nacheinander und gleichsam auseinanderentwickeln, so daß sich eigentlich immer ein und dasselbe Organ,jedoch mannichsaltig verändert, dem Blicke darstellt. So ein-leuchtend aber auch diese Lehre von ihm dargestellt wurde und so
') ve ineäoll» rsäici» sä tlorem pertin^ente. Lp'istol» sä Nie. I.uä.Lurmsrmum. 1758. «7ae. C/m. SoLmickel» äissertstione» botsmcisrxvmeuti, p. 117—130).
2) Aov. eommeot. «wsä. petropol. low. XU, p. 403. Iow. XUl, P.478 «t «H.