Band 
Erster Band.
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finden sich diese entgegengesetzten Karaktere? Unendliche Räume müssensie trennen, so könnten wir schließen; und doch ist es nur ein Fluß, einBergzug, der sie scheidetl Wir und unsere Umgebungen haben eirundeGesichter, langes Haar, vorstehende Nase, weiße Hautsarbe; solche Zügehaben wir von Jugend auf gesehen, wir sind daran gewöhnt und denkenvielleicht, so und nicht anders sähe der Mensch überall aus; wie erstaunenmüssen wir daher, wenn dieses Einerlei einmal unterbrochen wird, wennwir einen Menschen mit platter Stnmpfnase, vorspringenden Kiefern,vorgezogenen Backen und krausen Haaren erblicken, wenn zu allen diesenUnterscheidungszeichen noch das auffallendste sich gesellt, das der Farbe,die den vollständigsten Gegensatz zu der unsrigen bildet. Wol ist dieFrage sehr natürlich: wo leben diese schwarzen Menschen, sind sie weitverbreitet, unter welchen Verhältnissen leben sie? Wissen wir, daß esMenschen verschiedener Farbe giebt, so entsteht unwillkürlich die Frage:hat dieser Unterschied einen Einfluß auf die Fähigkeiten des Körpers,des Geistes, auf die Sitten, Gebraüche und Gewohnheiten, übt er einenEinfluß auf die Neigung zur Geselligkeit aus? und finden wir, daß derMensch überall Mensch bleibt, daß er aller Orten bei der Geburt einschwaches, hülfloses Geschöpf ist und sein Dasein nur durch Beihülfeseiner Ältern erhalten werden kann, daß er dieser Hülfe überall längereZeit bedarf als die Thiere; daß aber des Menschen Fähigkeiten in denverschiedenen Varietäten bedingt sind; so sucht die Wißbegierde diese Be-dingungen auf und erkennt, daß selbst Menschen gleicher Farbe die Lebens-thätigkeit auf verschiedene Weise aüßern, daß namentlich ihre Thätigkeitdes Geistes wesentliche Modifikationen erleidet, und die Bestrebungen desmenschlichen Geistes, sich gleichsam aus sich selbst zu versehen und sich alseinen Gegenstand der Außenwelt zu betrachten, von der Vorstellung ab-hängig sind, die der Mensch mit dem Begriffe Gott verbindet. Undblicken wir.dann aus das Zusammenleben des Menschen in Familien, imVerbände mehrerer Familien als Völkerschaft, als Volk; betrachten wirdie Völker, die nach Maaßgabe ihrer Erkenntniß der Gottheit, ihrerAusbildung in der Wissenschaft und den Künsten zu denjenigen gerechnetwerden können, welche wir die civilisirten, die gesitteten, nennen, so liegtes unsrer Theilnahme sehr nahe, die Grundlagen dieses Zusammenlebensund seine bedingenden Einrichtungen kennen zu lernen; ja diese Kenntnißwird zur Nothwendigkeit in einer Zeit, wo das Streben der civilisirtenVölker auf allgemeine Annäherung gerichtet ist und die Schranken immermehr fallen, die Gewohnheit und Vorurtheil aufgebaut hatten. DiesesStreben wird dann auch die Unterschiede mildern, die oben Beispiels