7
halber von dem Karakter zweier Völker angedeutet wurden. Mildern,sagen wir, nicht verwischen. Jene Annäherung giebt sich nicht alleinnach innen kund, nach den Wechselwirkungen der Völker innerhalb desKreises, den wir ein Völker-System nennen mögten, sondern auch nachaußen, nach ihren Einwirkungen auf Völker, die andern Systemen an-gehören; diese von verschiedenen Punkten auslanfenden Bahnen treffen.alle in einem gemeinsamen Mittelpunkte zusammen, in der Erkenntnißdes wahren Gottes, dem Glauben an seinen Sohn, den Heiland desMenschengeschlechts. „Gehet hin in alle Welt, und prediget das Evangeliumaller Kreatur," das war der letzte Auftrag, den Jesus Christus seinenJüngern gab, als er gen Himmel fuhr, um sich zu setzen zur RechtenGottes, — das ist der große Auftrag, bei dessen Ausführung wir alle jenach den uns inwohnenden Kräften mitzuwirken haben, und in der Ver-wirklichung dieses, von den heiligen Büchern uns überlieferten Gebotesliegt die Erklärung des Begriffs, den uns profane Schriften mit demAusdruck Weltbürgerthum verdeütlichen wollen. Die Herrschaft des ReichesGottes über den ganzen Erdboden ist der einzige Zustand, den wir unsals Kosmopolitik denken können; diesen Zustand mit herbeiführen zuhelfen ist Pflicht eines Jeden, der von dem Glauben an den Erlöser durch-drungen ist. — Aber in welcher Wissenschaft, fragen wir endlich, findensich alle obigen Fragen beantwortet, alle jene Erscheinungen der physischenund moralischen Welt nachgewiesen, welcher Zweig des Wissens lehrt unsjene merkwürdigen Gegensätze in der Natur, der belebten und leblosen(dürfen wir uns hier dieses Unterschieds als eines relativen bedienen),kennen; wo finden wir insbesondere das Leben der Völker geschildert undden Boden, den sie bewohnen; wo finden wir die heütigen Gränzen desReiches Gottes aufgezeichnet? — In der Erdbeschreibung lautet da dieAntwort; und die Erdbeschreibung dürfen wir mit Recht eine Wissenschaftnennen, wenn unter diesem Ausdrucke das geistige Wiederbilden der vomaüßern Erkenntnißvermögen aufgenommenen Eindrücke der Außenweltverstanden wird.
Es sind vornehmlich zwei Gesichtspunkte, unter denen wir die Erdebetrachten können, erstens der naturwissenschaftliche, und zweitens derhistorische. Der erste Gesichtspunkt führt uns in dasjenige Gebiet derErdbeschreibung, welches physikalische Geographie genannt wird, der zweitedagegen in das Gebiet der politischen Geographie; zwei Bezeichnungen,die wir als allgemein verständlich um so mehr beibehalten können, alssie das Wesen beider Zweige sehr gut karakterisiren.